(P) REHAB ANEKDOTEN BIOMECHANIK DER MENSCHLICHE KÖRPER PHYSIOTHERAPIE

UND, WENN DER BANDSCHEIBENSCHADEN NICHT VOM RUNDEN HEBEN KOMMT?


Schnall dir deinen Gürtel um, häng dich einfach in maximale Flexion und hoff, dass der Gürtel und Ligamentum Flavum für dich regeln, passiert schon nichts wird gesagt, Studien, haben sie gesagt – es gibt keine Untersuchung die zeigt, dass diese Vorgehen richtig, gut oder gesund ist – jedoch gibt es einige „Daten“ die zeigen, dass das eine potenziell riskante Strategie sein könnte. Könnte? Warte noch. Aber ich will dich nicht belehren – solange du (noch) keine Beschwerden hast, solange wirst du es wahrscheinlich nicht verstehen. Meld dich, wenns so weit ist – „Ich habe dich gewarnt, aber wer nicht hören will muss fühlen“, das hat Großmutter schon immer gesagt. Du weißt gar nicht worum es in diesem Text eigentlich geht? Wenn du fleißig durchhältst, dann wirst du es vielleicht verstehen. Eventuell brichst du aber einfach in der Mitte ab, weil du es sowieso schon besser weißt. Wenn du offen bist und etwas lernen möchtest, dann hältst du durch… wie in der Schule. „Prüfet alles, nur das Gute behaltet“.

Es passiert solange nichts, bis es passiert.

Wenn der Bandscheibenschaden nicht vom runden Heben kommt?

Dann kommt der nicht vom runden Heben, macht aber, wenn er da ist und akut ist, nach wie vor mehr Beschwerden beim runden Heben (Beugung, Flexion…), heilt schlechter ab, vergrößert sich, wenn du rund hebst – es macht keinen Sinn und es gibt keinen Grund hohe Lasten mit nicht neutraler und nicht fixierter Wirbelsäule zu heben, vor allem dann nicht, wenn es schon einen Schaden gibt – du bist dann stärker? Du hast mit runder Wirbelsäule einen kürzeren Lastarm? Naja. Ok. Dann fixier deine Wirbelsäule zumindest in „deiner“ Beugestellung, aber FIXIER – keine Bewegung zugelassen – keine Kraft verschenken, den Gewebestress reduzieren. Warum unnötigen Risiken aussetzen? Was du nicht tun solltest, das sagt dir nicht nur Layne Norton, Stephi Cohan, Team Kabuki Strength, Stuart McGill, Tim Stiemer, Chris Eikelmeier: In Extension starten und dann „nachgeben“ in Flexion auf dem Weg nach oben. Wenn du die Intention hast „grade“ zu heben, dann bleib grade. Wenn du die Intention hast „rund“ zu heben, dann starte so und bleib so. Was soll das Bewegen unter Last? Damit bist du weder stärker, noch ist das sicherer! Also, wenn du eh fest daran glaubst, dass du heben kannst wie du möchtest: Dann spar es dir gestreckt zu starten – denn auf der einen Seite sagst du, dass du cooler Typ auch rund heben kannst und keine Probleme damit hast, auf der anderen Seite versuchst du doch in Extension oder „physiologischer Lordose“ zu starten? Warum denn das? Passt sich doch alles an. Oder? Das ist ja schon inkonsequent: Wenn es dir egal ist, dann heb komplett rund. Passt sich doch alles an. Oder?

„Evidence Based Youtube“: Kreuzhebe- und Kniebeugepraxis.

Wenn du mir nicht glaubst, dass ich die Bude voll hab von Leuten, die durch „kleine Technikfehler“ GRAVIERENDE Beschwerden bekommen? Dann schalt bitte das Internet an. Du musst ja nur mal Youtube anschalten und kannst bei den Verletzungen „live“ mit dabei sein – wann passiert was? Genau, wenn die Leute die Neutralstellung der Wirbelsäule unter hoher Last halten und die Wirbelsäule bombenfest fixieren. NICHT! Es passiert, wenn da was bewegt, unter hohen Lasten. Wiederholung 1 gut, 2 gut, alles unbewegt, 3 „Bewegung startet“, Stange und Typ fällt zu Boden. Das habe ich, ziemlich häufig sogar, auch schon „in echt“ direkt vor meinen Augen beobachten können. Ich gehe davon aus, dass Wiederholung 3, wäre es grade oder unbewegt geblieben, nicht zu einer Verletzung geführt hätte. Aber auch ich kann nicht in die Kugel schauen, was wäre wenn, hätte würde…

Aber der Typ im Video hebt doch auch rund!?

Nummer 1: Wenn jemand die Intention hat „runder“ zu heben, dann startet er so, fixiert alles und bleibt so bis zum Ende. DAS machen die (Profi) Typen im Video. Wenn etwas bewegt, dann Richtung Lockout, damit der Versuch als „gültig“ gezählt wird und da liegt der Lastarm nicht mehr so stark in der Horizontalen, zumindest ist er nahezu halbiert, die Belastung wahrscheinlich deutlich geringer. Rund bleiben oder rund werden ist ein Unterschied.

Nummer 2: Nur weil du jemanden im Video siehst der sich Crystal Meth in die Kimme reibt und sagt, dass das cool ist, machst du das dann auch?

Nummer 3: Nur weil ELITE Powerlifter weiter heben, bedeutet das nicht, dass sie keine Beschwerden haben, noch bedeutet das, dass das gut ist, noch bedeutet das, dass sich da irgendwas anpasst oder sich niemand verletzt – das sind ELITE POWERLIFTER und die sind Elite, weil die dafür gemacht sind, sonst wären die nicht Elite – vielleicht sind das die 5% der Bevölkerung mit unkaputtbaren Bandscheiben? Kennst du deren Bandscheibenarchitektur? Vielleicht haben sie chronische Rückenschmerzen (kennst du den Artikel „Price of the plattform?“ nicht, solltest du gelesen haben, Erfahrungsberichte aus der Praxis…)? In dem Artikel beschreibt ein ehemaliger Wettkampf-Lifter, warum er keine Knarre in der Nachttischschublade hat – weil er dermaßen Beschwerden hat, dass er sich am liebsten erschießen würde. Und selbst wenn sie tun was sie tun: Vielleicht haben sie einen Schaden, auch einen großen, nur haben an der Nervenwurzel „vorbeigeschossen“ – oder einen sehr großen Spinalkanal, größere Foramina intervertebralia. Glück gehabt. Russisch Roulette mit einer Kugel im Lauf heißt ja nicht, dass es dich treffen muss, nur irgendwen trifft es nun mal. Und nur weil ein PROFI rund hebt… – vielleicht ist er Profi WEIL er unkaputtbar ist (oder akzeptiert, dass er mit 40 im Arsch ist…), was nicht bedeutet, dass du das Gleiche machen kannst und genauso unkaputtbar bist? Wie viele gehen auf dem Weg zugrunde? Nur wenige überleben und diese werden dann immer wieder zitiert und gezeigt? Ausnahmen bestätigen die Regel? Bist du naiv?

Wenn der Bandscheibenschaden nicht vom runden heben kommt?

Wenn Wirbelsäulenbewegungen endgradig unter maximalen Lasten theoretisch keinen Schaden machen würden, auch wenn Modellversuche das immer wieder zeigen (ja, die sind nicht perfekt, aber die sind besser als nichts) – und nein, es ist vielleicht wirklich nicht der Hauptgrund für einen Bandscheibenschaden, ja, dass sag sogar ich – was ändert es, wenn es in der Praxis dennoch ständig Probleme macht? Wenn die Leute dir exakt diesen Moment beschreiben: „Ich habs gemerkt, als ich bewegt hab, wars vorbei“? Evidence based was denn? Wo ist deine Untersuchung die zeigt, dass jahrelanges „kacke trainieren“ sicher ist? Wo ist die Untersuchung die über 5 Jahre geht, mit Mitte 30 Jährigen die 3-Mal die Woche schwer zweifuffzich einen weg heben? Wo ist die Untersuchung zur Anpassung? Und wenn man rund hebt, dann passt man sich an rundes heben an und verletzt sich beim neutralen Heben oder was? Said? Wolff? Davis? Was ist mit „meinen Leuten“, die nahezu alles gleich machen im Alltag, im Kampfsport, nur die Hebetechnik verändert haben und seitdem keine Beschwerden mehr haben? Viele heben ja jahrelang nicht so „optimal“, aber die kriegen dann oft dennoch Beschwerden und diese Beschwerden verschwinden, wenn die „optimaler“ heben. Was ist mit denen? Wo blieb die Anpassung?

Wenn die mit einem (akuten) Bandscheibenschaden das nicht machen können – wenn diese Bewegung unter Last, das runde Heben, mehr Probleme bereitet als diese Bewegung einfach nicht zu machen? Wenn die alles machen können, bis auf maximale Flexion (unter hoher Gewichtsbelastung)? Soll ich denen dann sagen: „du kannst zwar mit fetten Gewichten in der Hand beugen, tut zwar weh und dein Körper wehrt sich dagegen, aber mach ruhig, die ganzen Studierten sagen du musst keine Angst davor haben“! Wenn du beispielsweise einen zentralisierbaren Bandscheibenschaden hast, dann ist eines der Therapieziele, dass die Bewegung, welche Probleme bereitet, für eine gewisse Zeit vermieden wird: Das ist in 90%, oder sogar mehr, der Fälle die Beugung der Wirbelsäule. Und selbst wenns ein nicht-zentralisierbares Problem ist, dann vermeidest du trotzdem die Bewegung die am meisten schmerzt. Es tut mir ja leid –  ich sage meinen Patienten nächstes Mal, dass das gar nicht sein kann und die sich nicht so anstellen sollen. richtig?

ALTER! Die, die Menschen mit extremen Rückenbeschwerden, die haben nicht Angst weil jemanden denen sagt, dass die sich nicht beugen dürfen, die haben Angst WEIL ES DENEN SO OFT SO DERMAßEN IN DEN ARSCH GESCHOSSEN IST ALS SIE SICH BEUGTEN, DASS DIE GENAU DIESEN MOMENT FÜRCHTEN! Und die sind dankbar, wenn man denen die Mechanismen erklärt, warum grade DIESE BEUGE-BEWEGUNG oft solche gravierenden Probleme macht und was man dafür tun muss, dass es aufhört und ENDLICH ABHEILT! Die sind dankbar, dass sie selbstwirksam etwas tun können, verstehen WAS die Probleme macht und WAS sie DAGEGEN tun können. Nein, einem „gesunden Rücken“ macht das nichts – aber wessen Rücken ist denn schon gesund? X% der Bevölkerung, ob symptomatisch oder asymptomatisch, haben Bandscheibenschäden – viele davon sind im Alltag Flexions-intolerant oder haben regelmäßig einen „Hexenschuss“ der immer unmittelbar nach einer Beuge-Bewegung zurückkam? Soll ich denen erzählen, dass Beugung unter hoher Last keine Probleme macht obwohl die dabei Probleme haben? Beugung ist Bewegung und Bewegung mit einer entsprechenden Verletzung ist ein Hindernis für eine optimale (oder überhaupt eine) Wundheilung. Oder warum meinst du, dass jemand mit einem gebrochenen Arm einen Gips trägt?

Du lässt die Kacke für eine gewisse Zeit sein und anschließend integrierst du auch die „Beugebewegungen“ wieder in dein Therapieprogramm, fertig. Du machst am Ende der „Rückenreha“ auch vielleicht Jefferson Curls, ja, aber ich persönlich würde NIEMANDEM empfehlen mit einer nicht fixierten Wirbelsäule in maximaler Flexion einen wegzubuckeln –  weder einem Patienten, noch einem meiner Hochleistungsathleten –  nicht aufgrund der derzeitigen Datenlage, nicht aufgrund meiner praktischen Erfahrung!

Rund heben ist gar kein Problem für die Wirbelsäule!

Ja, das hörst du immer wieder. Die letzten Jahre zumindest. Aber was sagen denn die „studierten“ Physio-Brüder zu einem Bandscheibenschaden? Würdest du mit einem (akuten) Bandscheibenschaden rund heben? Würdest du das einem Patienten mit akutem Bandscheibenschaden empfehlen? Würdest du einem Patienten mit einem akuten Bandscheibenschaden in LWS-Flexion mobilisieren? Obwohl er hierbei Probleme hat? Würdest du jemanden mit Schmerzen bei LWS Flexion erzählen, dass das ok ist und er das ruhig machen soll? Richtig in den Schmerz rein? Nicht? Warum nicht? Ist doch nicht schlimm? Ich weiß was du denkst, „alles zu seiner Zeit“, aber was für einen Nutzen hat es 250kg rund, mit nicht stabilisierter Wirbelsäule, vom Boden hochzuheben, außer, dass es ein potenzieller Risikofaktor für eine EXTREM SCHWERE Verletzung sein kann? Würdest du jemanden, der ein Cauda-Equina-Syndrom hatte, mit allen Symptomen die dazu gehören, und wieder „fit“ ist, sagen, dass er ruhig heben kann wie er will? Auch rund? Auch unter hoher Last mit maximaler Bewegung?

Es wird oft von den „Anpassungserscheinungen“ gesprochen, Anpassung an egal was: Hast du denn die entsprechenden Daten dafür? Kannst du mir die Interventionsstudie heraussuchen, die getestet hat, was 250+kg Kreuzheben mit „bewegter Wirbelsäule unter Last“ mit der Bandscheibe in einem Zeitraum von 5 Jahren macht, welche uns die Anpassungserscheinungen, mögliche Symptome oder eben nicht erklärt? Wirklich, ich würde mich freuen wenn du da Papiere hast und mir diese per E-Mail senden kannst. Ich habe noch so viele Fragen die durch die derzeitigen Daten leider noch NICHT beantwortet werden können. Aber zurück: Du kannst doch nicht etwas behaupten, wofür du keine Belege hast? Natürlich passt sich unser Körper an. Aber du kannst dich auch nicht „zart“ von einem Auto anfahren lassen und dann die Dosis nach und nach steigern, bis dich das Auto auch mit 150 anfahren kann, ohne, dass dir dabei etwas passiert. Vielleicht würde das gehen, wenn wir genügend Zeit zur Verfügung hätten, allerdings gibt es ja auch immer genetische Grenzen bis zu welchem Grad eine Anpassung stattfinden kann. Eventuell passt sich das Gewebe bis 150kg an, vielleicht bis 180, aber danach nicht weiter. Kannst du mir hier die individuellen Werte der Person nennen? Passt sich denn auch eine Struktur genauso an, obwohl sie schonmal (stärker) geschädigt war? Kannst du das deinem Gegenüber versichern? Hast du gute Daten? Egal ob du etwas „musst“ oder nicht, so solltest es zumindest können, wenn du es möchtest, wenn du es benötigst. Diplomatisch genug?

Wenn du die Wirbelsäule nicht in Neutralstellung fixieren kannst, aber an die Stange mit neutraler Wirbelsäule kommst, dann fehlt dir entweder die Bewegungskontrolle oder du bist zu schwach für das Gewicht. „ja aber ich trainiere dann die Beine besser“ wenn ich rund werde – naja, du reduzierst den Lastarm, somit indirekt die Last und du trainierst rein gar nichts stärker, du belastest einfach nur die dorsalen Strukturen deiner Wirbelsäule mehr und erhöhst den intradiskalen Druck und die Scherkräfte auf die Bandscheibe, weil du mehr Gewicht hebst, als du kannst, unnötigerweise, selbst wenn es keine „starke Erhöhung“ der einzelnen Parameter wäre, so werden andere Anteile belastet und zu viel Gewicht ist meist zu viel Gewicht.

Es ist nicht gefährlich zu sagen, dass „rundes Heben unter hohen Lasten ein Risiko darstellen könnte„, es ist aber gefährlich zu sagen, dass „rundes Heben KEIN Risiko darstellt“. Könnte, da die Wahrscheinlichkeit gegeben ist und wir noch keine perfekten Daten zur Verfügung haben, nicht im Ansatz. Kein Risiko darstellt ist zu absolut für die derzeit schlechte Datenlage und aufgrund der zahlreichen Hinweise die es  gibt. In diesem Thema „absolut“ zu sein ist eine Lüge, fahrlässig und Schaden am Patienten!

Ein bisschen Grundlagenwissen zum Auffrischen der Bindegewebs- und Bandscheibenlehre?

Bei Wirbelsäulen-Flexion bewegt sich der Nucleus Pulposus nach dorsal, bei Extension nach ventral (Brault et al 1997, Fennell et al 1996, Balcovec et al 2012, Fazey et al 2010) und die dorsalen Fasern der Bandscheibe werden bei Flexion mehr belastet, bei Extension die anterioren Fasern.

Die meisten Personen mit Bandscheibenproblemen haben Rückenschmerz beim beugen, sitzen und rundem heben – während ein „liegendes MRT in Neutralstellung“ oft nichtssagend ist und oft nichtmals etwas findet, zeigen MRT-Aufnahmen, welche im gebeugten Zustand, im Sitzen ausgeführt wurden, unter Schwerkrafteinfluss, oft deutliche Veränderungen der Bandscheibe und der Zwischenwirbelräume (Nguyen et al 2016, Karadimas et al 2006, Tarantino et al 2013, Alamin et al 2018). Maximale Flexion der Wirbelsäule erhöht die Belastung auf die dorsalen Kollagenfasern des Anulus Fibrosus – eine Maximalbewegung, egal in welche Richtung, erhöht die Belastung auf die Bandscheibe (Schirazi-Adl et al 1999). Bewegung erhöht die Belastung. Nicht Bewegung reduziert die Belastung.

Der Kern verlagert sich immer in die Gegenrichtung der Bewegung (Fazey et al 2010). Beugst du dich, rutscht der „Kern“ nach hinten, machst du eine Seitneigung nach rechts, verlagert sich der Kern nach links und so weiter.

Symptome eines Bandscheibenschadens sind vor allem beuge-bezogen: Niesen, Husten, vorbeugen des Rumpfes, also Wirbelsäulen-Flexion, Schuhe binden, Socken anziehen (Amin et al 2017), das sagen dir ja auch deine Patienten, wenn du mit welchen arbeitest – wie intelligent ist es jemanden mit einer (akuten) Beugeintoleranz regelmäßig unter hoher Last beugen zu lassen, wenn genau das das Problem bei einem Bandscheibenschaden ist? Ist es nicht auch dann ein Thema, wenn der Schaden noch gar nicht da ist? Die Belastung der verletzten Struktur (meist dorsolateral) scheint ja höher zu sein, wenn jemand beugt, sonst würde ja nicht grade das die Beschwerden triggern. Ist die Belastung dann nicht auch höher bei der Beugung, wenn jemand noch keine Verletzung hat? Ich sage nicht, dass das direkt in eine Verletzung resultiert. Ich sage nur, dass die Belastung dann höher ist, höher auf den Bereich, der am „liebsten“ verletzt.  Aber auch Adams, McGill, Bogduk – alle konnten, wenn auch im Modellversuch, zeigen, dass repetitive, endgradige Bewegungen der Wirbelsäule, vor allem unter Last, zu Verletzungen führen und die „Neutralstellung“ stabiler ist – ich sage grade „Bewegungen“, nicht „Beugungen“ – obschon Beugung der Hauptfaktor in den meisten Modellversuchen ist und auch in der Praxis – die meisten verletzen sich beim aufheben des Bleistiftes, nicht beim Strecken nach dem Aufstehen und in der Praxis tolerieren Leute mit akuten Bandscheibenschäden und auch „chronischen Beschwerden“ fast jede Richtung, nur die Beugung selten. Ich sag grade Praxis –  ich arbeite täglich mit solchen Leuten und die nehmen mich in den Arm und haben Tränen in den Augen, wenn ich denen mit 2,3 kleinen Tipps einen schmerzfreien Tag zurückgebe und ja, auch die lasse ich nach einer gewissen Zeit wieder ALLES machen, auch beugen! Aber weder 250+ Kilos, noch den gesamten Tag, noch in der akuten Startphase.

Aber warum das da passiert, also beim Bleistift-Heben? Aufgrund der Eigenschaften unseres Bindegewebes – repetitive, wiederholte Bewegungen in eine Richtung reduzieren die Stabilität des Bindegewebes auf der Gegenseite, das machst du dir ja auch beim mobilisieren zu Nutze – beugen, sitzen, den gesamten Tag, reduzieren die Belastbarkeit der dorsalen Fasern – Hysterese, Creep, Spannung-Relaxation sind nur drei Begriffe die man hier kennen sollte. Unser Alltag ist halt beuge-betont und die Leute haben bei Beugung Probleme – aus welchem Grund sollte man den Leuten empfehlen rund zu heben oder aus welchem Grund sollte man den Leuten gestatten während 200+ Kreuzhebe-Gewichten die Wirbelsäule aus Extension in Flexion zu bewegen? Aus welchem Grund? Was bringt das denn für Vorteile? Ist das nur Klugscheißen? Erzählst du jemanden der 8 Stunden im Büro sitzt, dass er sich ins Auto setzen soll und dann beim Heben auf nichts achten muss? Dass er sich ruhig der Beugung unter hohen Lasten hingeben kann?

Was wollt ihr denn alle mit „rund heben ist nicht schlecht“ erreichen? Vermischt doch bitte nicht Ommas-Alltag mit der Belastung eines Powerlifters und nicht mit den einseitigen Bewegungen des Alltags der meisten Menschen! Rund heben muss keine Schmerzen machen. Rund heben muss nicht zu Verletzungen führen. Jedoch ist schweres rundes und nicht stabilisiertes Heben für den Großteil der Bevölkerung nicht cool – aufgrund von Vorschädigungen, aufgrund unseres nahezu bei jedem identischen Alltags – was willst du damit erreichen, wenn du immer wieder betonst, dass „rund zu heben ist für einen gesunden Rücken nicht gefährlich“, wenn 90% der Bevölkerung diesen „gesunden Rücken“ gar nicht kennen? Was redest du von „passt sich an“, wenn selbst 85% der Ruderer Bandscheibenschädigungen, im Vergleich zu nur 20% der gleichaltrigen nicht Ruderer-Bevölkerung, im MRT zeigen (Verrall et al 2014)? Ist der Bandscheibenschaden eine Anpassung ans Rudern? Ist das eine Verletzung? Auch haben Ruderer mehr Rückenschmerzen im Vergleich zu der Kontrollbevölkerung die nicht rudert (Trompeter et al 2018)? Ja was ist denn jetzt mit Anpassung? Auch hier: Kann es sein, dass die geringeren Wirbelsäulenbeschwerden bei PROFI-RUDERERN (Smoljanovic et al 2018) daher rühren, dass diese diejenigen handvoll-Prozent sind, die den Prozess bis zum Profi durchgestanden haben, eventuell Anlage-bedingt „robuster“ als 95% der restlichen Bevölkerung sind? Die anderen sind halt verletzt, ausgeschieden und wurden keine Profis? Vielleicht. Das ist ja in anderen Sportarten auch ein interessantes Thema, welches näher beleuchtet werden sollte. Denn nur weil Lamar Gant rund hebt, oder Konstantinov rund gehoben hat, bedeutet das nicht, dass es ungefährlich ist, das ist ja Unsinn und könnte „unwissenschaftlicher“ nicht sein. Oder hast du schonmal mit Lamar telefoniert? Mit Konstantinov? Bild sprach zuerst mit den Toten…

Woher kommt ein Bandscheibenschaden denn, wenn nicht durch rundes Heben!?

Auch wenn mechanische Einflüsse nicht den Hauptfaktor für Bandscheibenschäden darstellen „sollen“, ist es ja nicht schwer zu verstehen, dass eine Belastung, die die Belastbarkeit eines Gewebes übersteigt, zu einer Verletzung führt. Oder? Ob es Deckplattenfrakturen sind, verschiedene Arten von Fissuren der Bandscheibe, ist ja erstmal egal. Höhere Belastung als Belastbarkeit führt zu Trauma. Hier muss nämlich tatsächlich unterschieden werden: Zwischen akuten Traumen und zwischen degenerativen Erscheinungen. Ein Bandscheibenvorfall kann ja traumatisch entstehen und degenerativ und beides kann sich zudem noch wechselseitig beeinflussen. Aber ok, klammern wir Mechanik mal aus…

Was sind die Gründe für einen Bandscheibenschaden? Altern, degenerative Prozesse, allgemein wenig Bewegung (165 Stunden rumlümmeln und 3×1 Stunden trainieren, das ist wenig Bewegung my friend…), Überlastungen (?), schlechte Trophik und Störungen der Mikrozirkulation aufgrund von Nikotin, Atherosklerose, Genetik, Veränderungen des Vitamin D Rezeptors und so weiter – du findest hier extrem viele Ursachen und ein Großteil der Bevölkerung zeigt auch im MRT Veränderungen der Bandscheibe – Protrusionen (Vorwölbungen) sind ziemlich häufig und wahrscheinlich häufiger als im MRT bestätigt – nur sieht man die oft nicht in Rückenlage, sondern eher unter Belastung (Nguyen et al 2016, Karadimas et al 2006, Tarantino et al 2013, Alamin et al 2018). Ich hatte nicht nur einen Klienten, welcher ein riesen Sequester hatte, der NICHT auf dem MRT gesehen wurde, aber operativ entfernt wurde, da die Lähmungserscheinungen progressiv waren! Ich hatte nicht nur einen Klienten, welcher eine LÄHMUNG hatte, Fußheber, Gastrocnemius, aber einen nur „kleinen Schaden“ der Bandscheibe ohne Relevanz auf dem MRT, der während der Op doch scheinbar mehr Raum gefordert hat, als zuerst gesehen.

Wenn das Ding hinten verletzt ist, egal ob aufgrund von Genetik, Atherosklerose oder wenig Bewegung im Alltag – würdest du dann Bewegungen unter Last forcieren, welche die dorsalen Fasern weiter schwächen können und den Kern weiter nach hinten drängen? Worüber wird denn ständig diskutiert? Geht es um Statistiken und Rechthaberei auf Kosten der Gesundheit unserer Klienten!??? Selbst wenn rundes Heben NICHT die Ursache für einen Schaden wäre, wäre es eine potenzielle Ursache für die Erhaltung und Verschlimmerung des Schadens. Wenn die meisten Personen mit stabiler, unbewegter und neutraler Wirbelsäule sauber und schmerzfrei heben können, soll ich denen dann trotzdem erzählen, dass die lieber rund heben sollen? Wieso? Du darfst gerne mit 30kg Jefferson Curls machen, wenn dich das irgendwie befriedigt, aber warum 300kg rund hochbuckeln, was bringt das denn? Bist dann cooler im Alltag irgendwie?

Die Gluteale Amnesie? Fakt oder Fiktion?

Oh My Apple-Pie – da sage ich „ausersehen“ gluteale Amnesie in einem Instagram-Video und da SPRINGEN DIE KOJOTEN AUS DEM BUSCH!

Es ging ja eigentlich um Bewegungskontrolle in einem extrem lehrreichen und anschaulichem Video und 1,2 Herrschaften holen ihren Duden raus und erklären mir, was denn eine gluteale Amnesie ist und, dass es so etwas nicht gibt. Oh nein, das stimmt leider nicht – wir müssen uns bei der „Sprache“ immer nur darüber im Klaren sein, dass die Sprache nur eine Landkarte der Wirklichkeit ist.

Weißt du, es geht nicht um den Begriff, es geht um die Klinik, die Praxis, das was du auf dem gezeigten Video siehst: Da siehst du dann jemanden der es nicht schafft die Hüftextension über die gluteal-Muskulatur auszuführen oder wenn es schöner für dich klingt… der es nicht schafft die Hüftextension durch die Hüftextensoren auszuführen, sondern stattdessen eine Wirbelsäulen Extension macht – er bewegt in der Wirbelsäule, anstatt in der Hüfte. Er hat regelmäßig Rückenschmerzen, einen nachgewiesenen Bandscheibenschaden (der ist beim Sex entstanden, ich war nicht dabei, aber er hat mich direkt danach angerufen, Missinars-Stellung, er lag unten…), bewegt sich bei allen Bewegungen schlecht kontrolliert, die Wirbelsäule ist kaum fixiert, weder beim Sprint noch beim Kreuzheben und seine Leistung in den Beinübungen könnte auch besser sein. Wenn er grade „akut“ Probleme hat, dann hilft ihm der saubere Hip Hinge schmerzfrei mit den Kindern zu spielen. Er hat eine sitzende Tätigkeit, sitzt dort wie ein Affe auf dem Schleifstein und das ist in absehbarer Zeit wahrscheinlich auch nicht zu ändern und… soll ich ihm einfach irgendwie heben lassen? Passt sich ja an? Durch seinen Alltag hat die Struktur vielleicht gar keine Chance sich anzupassen. Labor ist nicht Realität. Wenn da überhaupt mal eine ernstzunehmende Untersuchung zu kommt…

In der Praxis sehe ich unzählige Menschen, die es nicht schaffen den Po anzuspannen und es nicht schaffen die Hüfte zu bewegen, ohne, dass die Wirbelsäule dabei bewegt. Dann wird ja gerne, egal wo, kluggeschissen, weil: Das was ich sehe, das sehe ich, das was ich erlebe, das erlebe ich, da kannst du ja sagen was du möchtest. Und bei all den Diskussionen geht es selten um eine Lösung, es geht nur um Kontra geben und mitreden, auch mal cool sein, keine Ahnung. Die meisten Diskussionen arten ja gerne aus, jeder hat was zu sagen, jeder ist Experte.

Aber egal wie du das Kind nennst – jemand der Flexions-intolerant ist, und das sind extrem viele Menschen, sollte eine Flexion (und Extension aka Bewegungen) bewusst vermeiden KÖNNEN, vor allem unter Last, wenn er es aufgrund einer Verletzung vermeiden sollte – und dann sollte er es auch im 4-Füßler-Stand, hubarm, schaffen die Wirbelsäule zu fixieren und die Bewegungen in der Hüfte stattfinden zu lassen – einmal mit dem Hüftbeugekomplex und einmal mit dem Hüftextensorenkomplex. Hüftextension im Vierfüßlerstand, Hip Hinges und so weiter, das sind spitzen Dinger um unter erleichterten Bedingungen die Bewegungskontrolle zu erlernen.

Kaum ein Thema ist so emotional wie rundes Heben… als würde man die Menschen persönlich angreifen!

Ob wir das jetzt gluteale Amnesie nennen, ob es Beckenkontroll-Amnesie genannt wird oder einfach Bewegungskontrolle oder wir sagen, dass der Herr das nicht auf die Kette kriegt was er da machen soll – das ist doch scheiß egal: Jemand ist Flexions-intolerant (oder temporär Bewegungsintolerant) und „möchte“ für eine bestimmte Zeit die schmerzauslösenden Bewegungen vermeiden – beispielsweise bei einem akuten Bandscheibenschaden ist das ziemlich sinnvoll – ja, ist es da nicht interessant, wenn er die Bewegungen bewusst steuern, SPÜREN und bei Bedarf auch VERMEIDEN kann? Wenn er aus der Hüfte, statt aus der Wirbelsäule beugt? Wenn er die Wirbelsäule fixieren und ansteuern kann? Temporär zumindest? Wenn er „vergessene Bewegungsmuster“ (Amnesie?) wieder neu erlernt? Amnesie steht doch für vergessen, Gedächtnis oder? Und es sieht oft so aus, als hätte der Gegenüber vergessen wie er die Hüfte, den Gluteal-Bereich, ja auch die Glutealmuskulatur ansteuert, fixiert, wie auch immer. Das worum es geht ist doch nicht die Begrifflichkeit! Be water my friend? Obwohl es da ja dann doch auch „paar Daten“ gibt:

Ich bin kein Fan von diesem neumodischen Scheiß, irgendwelche Definitionen von neuen Krankheitsbildern und mir ist es auch egal wie der ganze Scheiß heißt – es geht um die praktische Konsequenz. Ich bin kein „Studierter“ der noch nie einen Patienten behandelt hat – ich bin Kliniker und arbeite täglich mit Patienten und helfe denen wieder Leistung zu erbringen und nach Verletzungen wieder zu brennen – ABER ich suche dennoch täglich in wissenschaftlichen Datenbanken nach neuen Modellen, Lösungen, Erklärungen, Tests, Methoden. Du musst nicht studiert haben um ein wissenschaftliches Papier zu lesen und zu bewerten, Wissen ist frei verfügbar, praktische Erfahrung hingegen musst du machen, die kriegst du nicht im Studium. Die ganzen Theorie-Schwuchteln mit ihren Studien-Scheiß – fass deinem Klienten an den Arsch, guck dir an was er macht – die Leute machen keinen Lockout aus der Hüfte beim Kreuzheben, der GLUTAEUS spannt nicht an, keine Extension in der Hüfte, die Leute machen im Kreuzhebe-Lockout eine Flexion der Lendenwirbelsäule („den Ficker“ nennen wir den im Studio, sorry, wenn dir der Begriff nicht passt , wir können ja wieder endlos Diskussionsschleifen darüber führen…) oder eine „LWS-Hyper-Extension“ bei schlaffen Popo. Wenn du solche Menschen sprinten siehst, dann siehst du die Bewegung in der Lendenwirbelsäule – nicht in der Hüfte. Die Lendenwirbelsäule ist leider nicht der richtige Ansprechpartner um dich beim Sprint zu beschleunigen oder dich schnell rennen zu lassen – und nein, das liest du nicht nur in Studien, das siehst du vor allem auf dem Platz, mit Spikes an den Füßen, einer Laserschranke und mit der Arbeit an echten Menschen. Dann arbeitest du dran und dann sprinten die auf einmal schneller und haben keine Rückenschmerzen mehr? Komisch, oder? Das sind ja fitte, sportliche Leute die regelmäßig trainieren – bei denen verschwinden die Beschwerden nicht, weil die endlich mal mit Sport anfangen, sondern weil wir die EXAKT GLEICHEN ÜBUNGEN mit ANDERER TECHNIK ausführen. Komisch.

Ok, wir brauchen ja Studien, das ist ja immer ganz wichtig. Zugegeben, ja das ist ja richtig und wichtig, wir wären heute nicht so weit, wenn es keine Wissenschaft gäbe, nur stört es mich, dass praktische Erfahrungen klein geredet werden von Menschen, die gar keine praktische Erfahrungen haben. Nur weil da ein „Pimmellutscher et al 2020“ dahinter steht, wird es nicht besser, aber:

Ein Training der Hüftmuskulatur im Vergleich mit einem reinen Stabilisationsprogramm für die Wirbelsäule, scheint sich positiver auf Personen mit Rückenschmerz auszuwirken (Jeong et al 2015). Also egal wie es heißt – es ist kein Fehler die Hüftmuskulatur zu trainieren, wenn es um Rückenprobleme geht. Das ist nicht das Allheilmittel, aber ist schon mal einen Versuch wert.

Ein systematischer Review aus dem Jahre 2019 zeigt (Sadler et al 2019), dass ein Teil der Gluteal-Muskulatur bei Leuten mit Rückenschmerz schwächer ist, als bei den Leuten ohne Rückenschmerz – heißt natürlich nicht, dass das ursächlich sein muss, allerdings ist es auffällig und die Empfehlung der Autoren ist zumindest, dass bei einem „Multidisziplinärem Rückenschmerzprotokoll“ die Glutealmuskulatur mit gekräftigt werden sollte – es zeigen auch noch andere Untersuchungen diesen Fund, dass der Po-Muskel-Komplex bei Leuten mit Rückenschmerz etwas schwächelt (Cooper et al 2015). Es gibt Hinweise darauf, auch von Contreas („The Glute Guy“) und seinen Kollegen, dass eine Assoziation zwischen „glutealer Inhibition“ und Rückenschmerzen besteht (Macadam et al 2015). Immerhin.

Aber selbst, wenn es Bullshit wäre, dass durch einen nicht gut funktionierenden Gesäßmuskel Rückenschmerzen entstehen könnten, ist es nicht verkehrt und nicht falsch, dass man seinen Gesäßmuskel (seine Hüftextensoren) trainiert – damit rennst du schneller, springst du höher und es sieht geiler aus (Millar et al 2020, Gonzalez-Garcia et al 2019). Ist das in Ordnung für dich?

Es geht MIR nicht um den Begriff „gluteale Amnesie“, nicht um EMG-Messungen – es geht mir um das was du in der Praxis siehst, naja du vielleicht nicht, du liest ja nur Studien und reißt das Maul im Internet auf, was ich in der Praxis TÄGLICH sehe: Menschen mit Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden und miserabler Bewegungskontrolle, Leute die in Neutralstellung der Wirbelsäule schmerzfrei 150kg heben können, aber bei 40kg mit gebeugter Wirbelsäule blass werden, anfangen zu schwitzen und elendigen Schmerz verspüren, die 180kg ohne weiters „in Neutralstellung“ heben, aber sich nicht die Sochen anziehen können und beim Rad fahren Schmerzen haben – das Problem ist, dass die ja neutral heben könnten, gebeugt nicht, dass sie ihren Alltag meistern könn(t)en, wenn sie temporär (temporähhhhhhr!) auf Wirbelsäulenbewegungen verzichten – das geht aber nur, wenn sie spüren was sie tun, wenn sie die Bewegungen steuern und kontrollieren können, die Wirbelsäule in Neutralstellung fixieren und stattdessen die Hüfte bzw. die Hüftmuskeln benutzen – das was ich unter „glutealer Amnesie“ verstehe ist vielleicht nicht das, was du mir erklären möchtest, sondern das was ich in der Praxis sehe: Ein Patient der nicht in der Lage ist, die Hüfte unabhängig von der Wirbelsäule zu bewegen und dadurch Beschwerden hat, bekommt oder erhält – jemand der eine verletzte Struktur, z.B. einen Bandscheibenschaden, entlasten könnte, abheilen lassen könnte, wenn er es schaffen würde, seine Hüfte bei in Neutralstellung fixierter Wirbelsäule zu bewegen.

Eine schlechte Bewegungskontrolle („Movement Control Dysfunction“) korreliert beispielsweise, verglichen mit einer guten Bewegungskontrolle, ebenfalls mit dem vermehrtem Auftreten von Rückenproblemen (Luomajoki et al 2007, 2008). 2014 hat Iwasaki und Kollegen beim „vornübergebeugten Heben“ (sogenanntes Stoop Lifting) zeigen können, dass eine Störung im Becken-Lenden-Rhythmus zu einer erhöhten Belastung der Lendenwirbelsäule führen kann und die Autoren geben an, dass eine maximale Flexion der Lendenwirbelsäule die Chance auf eine Verletzung erhöhen könnte. Gewichtsbelastung während dieser Hebetechnik verzögert die Extension der Lendenwirbelsäule. Eine geringe Beweglichkeit der Oberschenkelrückseite scheint hier auch wenig förderlich. Und es geht nur darum: Eine mögliche Lösung für Menschen mit Beschwerden liefern – etwas was in jedes „Wirbelsäulenprotokoll“ integriert werden sollte – das wäre meiner bescheidenen Meinung nach u.a. auch ein Training der Bewegungskontrolle!

Nenn es statt „gluteale Amnesie“ „Hüftkontroll-Amnesie“, wenn dir der Begriff besser passt. Das spielt ja gar keine Rolle.

DAS evidenzbasierte Wirbelsäulen-Protokoll? Wieder schmerzfrei Kreuzheben?

Ein Auszug, eine Zusammenfassung dieses Artikels FÜR DIE PRAXIS. Erstmal evidenzbasiert? Das bedeutet bestverfügbare Datenlage, individuelle Möglichkeiten des Klienten und PRAKTISCHE ERFAHRUNG, das bedeutet nicht „ich hab da EINE Studie“… weder Studien dürfen von „Praktikern“ belächelt werden, noch Praxis von „Theoretikern“. Wir könnten alle zusammen arbeiten, wenn alle mal von ihrem hohen Ross steigen würden. Nicht? Ok. Zusammenfassung:

  • Es gibt einige Daten die zeigen, dass ein Training der Hüftextensoren Rückenschmerzen lindern kann und, dass Menschen mit Rückenschmerzen oft eine schwache Glutealmuskulatur haben.
    Es gibt viele Daten die zeigen, dass endgradige Bewegungen den Gewebestress erhöhen, ebenso, dass Flexionsbewegungen den Bandscheibenkern nach dorsal „drängen“, dorthin, wo viele Menschen schon Fissuren, Schäden, nenne es wie du möchtest, haben und, dass bei maximaler Flexion, wenn die neutrale Zone verlassen wird, der Gewebestress im dorsalen Bereich ansteigt, das ist ja bei jeder Struktur ähnlich.
  • Es gibt bisher keine Daten die eine Anpassung der Bandscheibe an repetitive einseitige Bewegungsmuster belegen, eher widerlegen – wenn sich einer anpassen müsste, dann z.B. der Ruderer der als Kind anfängt zu rudern und, genau, der sich aber nicht anpasst. Zudem ist unser aller Alltag begleitet von extrem viel Flexion, Beugemomenten, von der Kindheit an bis zum Greis – doch irgendwie bleibt die Anpassung bei einem Großteil der Bevölkerung aus… spätestens in der Sekundärprävention macht es Sinn vermehrt über mechanische Einflüsse bei Bandscheibenschäden zu sprechen.
  • Es gibt Daten die zeigen, dass eine schlechte Bewegungskontrolle mit Rückenschmerzen korreliert und sich eine gute Bewegungskontrolle positiv auf Rückenschmerzen auswirken kann.
  • Es gibt etwa 25 neue „Rückenpatienten“, JEDE WOCHE seit über 10 Jahren (!), mit Stenosen, Bandscheibenvorfällen, NSLBP, „chronischem Rückenschmerz“, denen ich mit „meinen Protokollen“ helfe wieder schmerzfrei zu sein und problemfrei schwere Lasten zu heben oder schnell zu sprinten – eine temporäre Vermeidung der schmerzhaften Afferenz gehört unweigerlich dazu – niemand sagt, dass man nicht eine Kiste Bier mit rundem Rücken hoch heben darf, niemand sagt, dass du nie wieder sitzen oder deine Wirbelsäule beugen darfst, niemand sagt, dass dir die Bandscheibe um die Ohren fliegt wenn du mal 80kg rund vom Boden hochhebst, aber… – alles zu seiner Zeit.

„Meine Protokolle“ benutzen nicht nur die Beübung der Bewegungskontrolle, sondern benutzen auch Prinzipien der graduierten Exposition, beziehen die Bindegewebsphysiologie und Anpassungsmechanismen des Bindegewebes, die Eigenschaften des Kollagens mit ein, nutzen Lebensstil-Interventionen, Ernährung und Supplementierung bei Verletzungen, psychologische Techniken wie Edukation und „Schmerzen verstehen“, legen einen großen Wert auf eine optimale Nährstoffversorgung und Trophik des Gewebes und haben als Ziel: 1000kg Kreuzheben, schmerzfrei. 5 Stunden BJJ, Vollgas, schmerzfrei. 10 Sekunden Zeit auf 100m, schmerzfrei. 1000 Crunches die Woche, wenn du das möchtest. 50kg Jefferson Curls, wenn du es brauchst. Alltag, Bumsen, Niesen, Schuhe binden, lange Strecken Auto fahren, schmerzfrei. Das ist das Ziel – nicht irgendwelche Spastis im Internet zu überzeugen die, egal was man sagt, meinen es besser zu wissen und sich größer darstellen als sie sind. Nur weil ein Zwerg große Schuhe anzieht wird er nicht zum Riesen…

Die Empfehlung: Maximale Lasten mit unbewegter und (eher) neutraler Wirbelsäule zu heben – das ist eine extrem evidenzbasierte Empfehlung!

First Rule? DO NO HARM!

Wichtig ist es auch, nochmal, zu differenzieren: Es ist ein Unterschied ob du die Intention hast rund zu heben oder ob du eigentlich „straight back“ startest und dann rund wirst. Dazu kommt noch ein brachialer Rückenstrecker und Latissimus von „Profis“ der beim Heben hervorquillt und die Lendenlordose reduziert, zumindest optisch, es sieht dann nach mehr Flexion aus, als es wahrscheinlich tatsächlich ist.

Aber die Strongmen und Powerlifter… ja, ich habs doch beschrieben, oder?

Wenn du die Wirbelsäule fixieren kannst, unbewegt, egal welche Stellung du wählst, und aus der Hüfte bewegst, dann hebst du mit weniger Belastung auf deine Wirbelsäule und bist tendenziell stärker – Bewegung bedeutet immer mehr Belastung und Arbeit als nicht Bewegung, schon rein physikalisch – und wenn etwas beim Heben und Beugen verletzt, dann ist es (zu) oft die Wirbelsäule, nicht die Hüfte und es passiert oft durch „zu hohe Belastungen“ oder falsches Belastungsmanagement – zu hohe Belastung erreichst du durch höhere Belastung schneller, nicht? Steht ja schon im „Begriff“. Jetzt ist der Alltag der meisten Menschen schon eine enorme (einseitige) Belastung für unsere Wirbelsäule – die ist nicht schwach, die ist aber auch nicht unkaputtbar und ständig beugen, Flexion, immer die gleiche Richtung…– da macht es vielleicht ja schon Sinn, die Leute die 23 Stunden am Tag in Beugung verbringen, zumindest im Training aus dieser Beugung zu holen – ein bisschen McKenzie-Extension, neutrale Stellung beim Heben, nicht rund umstecken, das ist vielleicht schon die halbe Miete.

Und ja Theorie und Studien sind ja schön und wichtig. Aber hattest du schonmal einen größeren Bandscheibenschaden mit ausstrahlen ins Bein? Eine Lähmung? Ist dir die Pisse am Bein heruntergelaufen und du konntest deinen Stuhl nicht halten? Dann kennst du noch den Moment, als nur Flexion Probleme gemacht hat, alle anderen Bewegungsrichtungen gingen? Ist ja nicht so, dass Studien was anders behaupten – es  geht nur um diese Phase: Flexion macht grade Probleme – also lassen wir die Flexion temporär mal sein und die Frage, was es dir bringt, maximale Lasten mit nicht in Neutralstellung fixierter Wirbelsäule zu heben?

Und wenn der Bandscheibenschaden nicht vom runden Heben kommt? Gibt es immer noch keine (gute) Untersuchung die zeigt, dass es richtig, gut oder gesund ist, wenn du die Wirbelsäule während des Hebevorgangs bewegst oder in maximaler Wirbelsäulen-Flexion hebst – jedoch einige Daten die zeigen, dass das eine potenziell riskante Strategie sein könnte. Also selbst wenn nicht? Dann gibt es immer noch keinen Grund nicht mit in Neutralstellung stabilisierter Wirbelsäule zu heben. Wenn dir das alles nicht genug ist: Hier gibt es noch einen weiteren Artikel zum Thema, vielleicht hilft dir das „deine eigenen Schlüsse“ zu ziehen.

Und: Du darfst mir nur etwas über Kreuzheben erzählen, wenn du mehr als 250kg hebst und das schon über 10 Jahre schmerzfrei. Sonst höre ich dir nicht zu…

Aber? Was weiß ich schon… aber Ende machst du das was du für richtig hältst.


Und wenn du wirklich mal was für deinen Rücken, deine Kniebeuge- und Kreuzhebeleistung UND deine Bildung tun willst? Dann komm zum Kreuzhebe-Kniebeuge-Wirbelsäulen-Workshop und lerne evidenzbasiertes praxisorientiertes Insiderwissen zum Themenkomplex! Das ist wahrscheinlich mit Abstand der vollständigste und professionellste Workshop zu diesem Thema. Solltest du dir auf jeden Fall angucken!

Quellen: ACHTUNG: Dieses Quellenverzeichnis ist nicht alphabetisch geordnet, wie konnte ich nur… du kannst es gerne alphabetisch ordnen und auch Handtücher bügeln…

Luomajoki H, Kool J, de Bruin ED, Airaksinen O. Reliability of movement control tests in the lumbar spine. BMC Musculoskelet Disord. 2007;8:90. Published 2007 Sep 12. doi:10.1186/1471-2474-8-90

Luomajoki H, Kool J, de Bruin ED, Airaksinen O. Movement control tests of the low back; evaluation of the difference between patients with low back pain and healthy controls. BMC Musculoskelet Disord. 2008 Dec 24;9:170. doi: 10.1186/1471-2474-9-170. PMID: 19108735; PMCID: PMC2635372.

Macadam P, Cronin J, Contreras B. AN EXAMINATION OF THE GLUTEAL MUSCLE ACTIVITY ASSOCIATED WITH DYNAMIC HIP ABDUCTION AND HIP EXTERNAL ROTATION EXERCISE: A SYSTEMATIC REVIEW. Int J Sports Phys Ther. 2015;10(5):573-591.

Parr M, Price PD, Cleather DJ. Effect of a gluteal activation warm-up on explosive exercise performance. BMJ Open Sport Exerc Med. 2017;3(1):e000245. Published 2017 Jul 24. doi:10.1136/bmjsem-2017-000245

Alamin TF, Agarwal V, Zagel A, Qeli A. The effect of standing vs. variants of the seated position on lumbar intersegmental angulation and spacing: a radiographic study of 20 asymptomatic subjects. J Spine Surg. 2018;4(3):509-515. doi:10.21037/jss.2018.08.03

Tarantino U, Fanucci E, Iundusi R, et al. Lumbar spine MRI in upright position for diagnosing acute and chronic low back pain: statistical analysis of morphological changes. J Orthop Traumatol. 2013;14(1):15-22. doi:10.1007/s10195-012-0213-z

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Millar NA, Colenso-Semple LM, Lockie RG, Marttinen RHJ, Galpin AJ. In-Season Hip Thrust vs. Back Squat Training in Female High School Soccer Players. Int J Exerc Sci. 2020;13(4):49-61. Published 2020 Feb 1.

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Gluteus medius muscle function in people with and without low back pain: a systematic review
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PMCID: PMC3927042
PMID: 24567676
Lumbar Extension during Stoop Lifting is Delayed by the Load and Hamstring Tightness
Risa Iwasaki, PT,1 Ginga Yokoyama, PT,2 Satoshi Kawabata, PT,2 and Tomotaka Suzuki, PT, MS3,4,*


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  1. Avatar

    Also grundsätzlich wirkt dieser Artikel auf mich wie eine Aneinadereiung von Fragen und dann in einer Reihenfolge die nicht nachvollziehbar ist.

    Wenn du studiert hast wüsstest du, dass alle deine erwähnten Referenzen in einer Refernezliste stehen sollteten. Ich empfinde die Aussagen polemisch, zynisch, eigentlich proklamierst du deine lutherischen Thesen und wirkst wie der Heilige Ritter der mit allen bösen „Muselphysios“ abrechnen muss. Zudem ist die Referenzliste nicht sauber alphabetisch geordnet. Das zeigt mir schon mal das im Vorfeld nicht gut recherchiert wurde. Was waren deine Mesh Terms?
    Und ein großteil deine Fragen beantwortest du eigentlich mit deiner eigenden Geschichte:

    „Wie ich mich, von solch einer schweren Verletzung erholen konnte? Die Funktion formt das Organ – unser Körper passt sich immer an das an, was du ihm gibst – entlastest du ihn, wird er schwächer“

    Also um die Frage zu beantworten: Ja du kannst mit einem runden Rücken dead liften, weil wir anpassungsfähig sind.
    Um nochmal auf dein Ego zurück zu kommen wenn du eine Plattform brauchst, dann sei dir Bewusst das du dich vorher besser informieren solltest. Alleine diese psudoprovokante Rangehensweise ist langweilig und nicht wirklich kreativ um vom Leser Offenheit zu verlangen, ist nur ein schlechter Witz.

    Aber hey es gibt noch gute Beispiele für Fake News. In den letzten Tagen war ein blonder Typ im Fernsehn wegen seiner Coronaerkrankung. Ihr müsst euch unbedigt kennenlernen. Ihr habt euch bestimmt viel zu erzählen.

    Greets anton

    • krisTUS

      Hallo Spam-Anton@Web…,
      zum einen: (rhetorische) Fragen stellen, ebenso wie Anaphern, sind rhetorische Stilmittel, was wir alle schon in der Schule gelernt haben. Kurz für dich: Die benutzt man um die Dringlichkeit einer Sache zu unterstreichen. Aber das weißt du ja. Wenn Fragen noch nicht 100%tig geklärt sind, Interventionsstudien fehlen und die Praxis Dinge zeigt, die „theoretisch“ gar nicht so sein dürften, dann muss man Fragen stellen. Das weißt du ja auch. Die Frage „würdest du einen Patienten mit akutem Bandscheibenschaden rund heben lassen, obwohl er schon bei unbelasteter Flexion Schmerz und Symptomverschlechterung spürt?“ ist z.B. eine rhetorische Frage. Natürlich würdest du das tun, weil du ja studiert hast…

      Wenn du „studiert hättest“, wüsstest du, dass ich diesen Blog nicht in irgendeinem Journal einreiche, sondern meine Erfahrungen, Anekdoten, die ich täglich in der Praxis erlebe, ebenso die Untersuchungen die ich lese und recherchiere, niederschreibe. Dies ist keine wissenschaftliche Arbeit hier, noch erhebe ich den Anspruch, dass ein von mir veröffentlichter Blogartikel eine Dr. Arbeit ersetzt, noch, dass jeder Beitrag zu jedem Thema zu 100%tig vollständig ist, denn das erfordert zu jedem Thema mehrere 1000 Seiten um nur Ansatzweise von „Vollständigkeit“ zu sprechen. Wie kommst du darauf, Hr. Doktor?

      Die alphabetische Reihenfolge und das Hinzufügen einer Referenzliste ändert weder etwas am Inhalt, noch an meiner täglichen Praxis, nichts an meinen Erfahrungen, noch an der „Wissenschaftlichkeit“ der „Conclusion“. Die Quellen darfst du dir gerne einmal copy-pasten, die sind ja unter „Quellen“ zu entnehmen, dann das Original-Papier durchlesen und dann ernstzunehmende Kritik äußern. So wie du es hier in deinem Kommentar tust ist es langweilig, von oben herab, unnötigerweise geschwollen, als hätte das, was du hier schreibst auch nur einen Hauch einer Relevanz, für mich, für irgendwen. Denn das ändert nichts am Inhalt. Bezieh dich konstruktiv auf die Gesamtheit des Artikels, sag mir, dass Studie X falsch von mir interpretiert wurde, zeig mir die Interventionsstudien die die Anpassungen an 250+kg, jahrelanges „bewegtes“ Kreuzheben (bei welcher Personengruppe…) belegen – das „Wie“ wäre ebenso interessant, was sind die Voraussetzungen der Anpassungserscheinungen… – nicht so ein komplett unnötiges „die Referenzliste fehlt, zeig mir deine Suchwörter…“ – wie cool bist du denn? Allerdings schreibt man „eigenen“ ohne d und „psudu“ mit eu „pseudo“: Es ist also nicht „psudoprovokante“, auch nicht pseudoprovokant geschrieben, es ist PROVOKANT geschrieben. Das ist mir bewusst und das ist gewollt. Wie kann man denn nur kommentieren, wenn man die deutsche Rechtschreibung nicht beherrscht – um deine Art der Bewertung weiterzuführen… bleib doch mal bitte sachlich. Solltest du Rechtschreibfehler finden, dann darfst du die behalten…

      Dass du meinen Schreibstil nicht magst, das tut mir sehr leid. Vielleicht beim nächsten Mal? Man kann es leider nicht jedem recht machen und Geschmäcker sind ja tatsächlich verschieden. Dass du dich aber persönlich durch den Artikel angegriffen fühlst, das freut mich doch. So habe ich diesen Artikel doch nur für „dich“ geschrieben! Nur hatte ich gehofft, dass du mir die Studien lieferst die mir fehlen… guck, es wäre so einfach, zeig mir exakt die Daten, die nicht meine, sondern UNSERE Fragen beantworten und dann sind wir alle cool miteinander. Du darfst doch nicht einfach etwas behaupten? „du kannst jahrelang 250+ Kilos heben wie du möchtest, passt sich alles an“, wenn es dazu keinerlei Belege gibt, aber vieles darauf hindeutet, dass du es eben nicht tun solltest! Du bist doch der „Studierte“? Weshalb haten, fronten, „Streiten“? Unnötigerweise. Weshalb? Wegen einer Kreuzhebetechnik? Ist dir das so wichtig? Kannst du nicht schlafen, wenn du diesen Artikel unkommentiert lässt?

      Zeig mir die Interventionsstudie, zeig mir die „Anpassungsstudie an repetitiven Bewegungen unter hohen Lasten“ und dann können wir auch „fachlich korrekt“ diskutieren. Einzelne Textpassagen aus dem Zusammenhang reißen und sich darauf berufen, ist „unwissenschaftlich“. Das ist dein wissenschaftliches Arbeiten? Deine „heuristischen Thesen“ mein Freund. Ich halte lieber einen Schatten für einen Einbrecher als einen Einbrecher für einen Schatten. Nur ist der Schatten, aufgrund der derzeit „sehr schlechten“ Daten, tendenziell eher ein Einbrecher, es sei denn, du beweist das Gegenteil. Die „Studien“ zum Thema sind zum Großteil unzureichend und schlecht. Und die Interpretation vieler der „Studierten“ sind falsch. Es wird sehr häufig etwas konkludiert, was die „Studie“ gar nicht untersucht hat. Prüfe alles, nur das Gute behalte!

      Du kannst mit rundem Rücken „dead liften“, ja klar. Das steht doch sogar im Text? Wolltest du nur mal was cooles schreiben, unter falschem Namen und falscher E-Mail-Adresse?

      Aber ich bedanke mich aber recht herzlich für deinen Kommentar und wünsche dir einen ganz tollen Tag.

      „Greets“ Chris

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