(P) REHAB PHYSIOTHERAPIE

ICH HAB JA BANDSCHEIBE…

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Der Bandscheibenschaden – das Schreckgespenst der Unwissenden? Aber auch wirklich NUR der Unwissenden…

Der Bandscheibenschaden wird nicht nur sehr oft spontan resorbiert – der ist dann „einfach weg“! – er hat auch bis zum Alter von etwa 40 Jahren „ganz gute Heilungschancen“, selbst wenn er nicht „spontan resorbiert“ wird – danach geht’s zwar auch noch, ist aber stark von der Mikrozirkulation und der allgemeinen Gesundheit des Betroffenen abhängig – denn wir werden nicht „einfach alt“, sondern meistens bloß faul, gestresst und fehlernährt!

Das Alter ist zwar negativ mit der (spontanen) Resorptionsrate eines Bandscheibenschadens assoziiert (Lee et al 2017), jedoch spielt wahrscheinlich die Größe des Vorfalles eine ebenso entscheidende Rolle (Elkholy et al 2019, Lee et al 2017). Das heißt: Größerer Schaden, wahrscheinlich größere Immunantwort, wahrscheinlich beschleunigtere Resorption!

Wieso spielt die Größe des Schadens eine Rolle?

Ich dachte die Größe ist nicht so wichtig, es kommt nur auf die Technik an? Thema verfehlt.

Je größer der Schaden, desto größer die Immunantwort mit nachfolgender Revaskularisierung – also die Gefäße einer „eigentlich schlecht durchbluteten Struktur“ wie der Bandscheibe werden verstärkt ausgebaut – die Zellen der Bandscheibe (ein MischMasch aus Chrondrozyten und Fibroblasten – tatsächlich werden auch Fibroblasten im Nucleus Pulposus gefunden!) bekommen somit mehr Nährstoffe und erhöhen ihre Stoffwechsel- und Syntheseleistung, was dazu führt, dass neues Bandscheibengewebe gebildet wird!

Also „Bandscheibe kaputt“ und dann für immer? So läuft das nicht – selbst ohne Behandlung hat dieses weitverbreitete „Rückenleiden“ sehr gute Heilungsschancen.

In den meisten Untersuchungen wird die spontane Resorption und „Heilung“ auch bei 40-50-Jährigen Personen gezeigt – in der Praxis seh ich das vermehrt bei jüngeren Patienten auf dem MRT-Bild, dass die Bandscheibe nach einigen Monaten wieder eine vollkommen „normale“ Struktur zeigt, aber vereinzelnd auch bei Leuten Mitte 50. Das „Schöne“ ist, dass die Heilungschancen in der Regel in der Phase erhöht sind, unabhängig vom chronologischen Alter, in welcher die Bandscheibe gut hydriert ist und die Heilungschancen in der Phase verringert sind, in welcher die Bandscheibe nicht mehr so gut hydriert ist – aber das „Schöne“, jetzt kommts, ist, dass eine schlechter hydrierte Bandscheibe wahrscheinlich auch nicht mehr so schnell verletzt werden kann, da der gleiche Quelldruck im inneren und äußeren der Bandscheibe besteht. Also bei „alten“ heilt es zwar schlechter, aber es fällt auch schlechter etwas vor!

Rauchen, bzw. die allgemeine Trophik, korreliert ebenfalls negativ mit einer guten Heilungschance bei Bandscheibenschäden und ist direkt mit einem lumbalen Bandscheibenschaden nicht nur assoziiert, sondern auch ursächlich beteiligt (Huang et al 2016) – wer also raucht, der muss sich nicht über Rückenschmerzen wundern oder sich über persistierende Hexenschüsse beschweren! Und das Rauchen ist nur EINER von vielen Lebensstilfaktoren der Einfluss auf die Wundheilung hat!

Generell sollten mögliche Verletzungsmechanismen im Rehabilitationsprozess vermieden werden, für wenigstens 3-4 Wochen und im Anschluss eine schrittweise Steigerung der Belastbarkeit DES GEWEBES – das heißt nicht jede Woche 20kg beim Kreuzheben drauf, sondern unterschiedliche Bewegungsmuster beüben, die motorische Kontrolle verbessern, Beweglichkeitseinschränkungen aufheben und bindegewebsorientierte „Trainings“planung – ein Thema was wirklich sehr selten von Physiotherapeuten und Trainern berücksichtigt wird.

Das ein Bandscheibenschaden nicht direkt mit Schmerzen verbunden sein muss und das Schmerzen nicht direkt mit einem Schaden verbunden sind, das habe ich ja schon in einem anderen Beitrag erklärt.

Ich hab ja Bandscheibe…

Hört man immer wieder, aber es müsste eher heißen „ich hatte mal einen Bandscheibenschaden, der wurde aber mit 60%tiger Wahrscheinlichkeit schon vor langer Zeit spontan resorbiert“.

Auftrainieren und die „Ursachen“ beheben sollte man in jedem Fall – denn nach einer Verletzung wird das Gewebe selten besser als im Ursprungszustand und die Chance groß, dass man wieder die gleichen Fehler macht, die zur gleichen Verletzung führen, wie in der Vergangenheit!

Auf jeden Fall wichtig? BEWEGUNG und das Vermeiden von langen einseitigen Haltungen, egal ob Stehen (Stehtisch), Sitzen (Büro) oder Jefferson Curls (repetetive Bewegungen ist fast das gleiche wie „einseitige Haltung). Alles ist erlaubt, nur nicht zu oft, zulange und zu frequent!

Gute Besserung!

Quellen:

Elkholy AR, Farid AM, Shamhoot EA. Spontaneous Resorption of Herniated Lumbar Disk: Observational Retrospective Study in 9 Patients [published online ahead of print, 2019 Jan 3]. World Neurosurg. 2019;S1878-8750(18)32938-3. doi:10.1016/j.wneu.2018.12.115

Huang W, Qian Y, Zheng K, Yu L, Yu X. Is smoking a risk factor for lumbar disc herniation?. Eur Spine J. 2016;25(1):168‐176. doi:10.1007/s00586-015-4103-y

Evid Based Complement Alternat Med. 2017; 2017: 2147408.
Published online 2017 Jul 9. doi: 10.1155/2017/2147408
Long-Term Course to Lumbar Disc Resorption Patients and Predictive Factors Associated with Disc Resorption
Jinho Lee, Joowon Kim, Joon-Shik Shin, Yoon Jae Lee, Me-riong Kim, Seon-Yeong Jeong, Young-jun Choi, Tae Kyung Yoon, Byung-heon Moon, Su-bin Yoo, Jungsoo Hong, and In-Hyuk Ha *

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