(P) REHAB BIOMECHANIK PHYSIOTHERAPIE

SEIT WANN FÜHRT TECHNIK ZU EINER VERLETZUNG?

Rückengerechtes Heben Bandscheibe Rückenschule Warstein

Typ sagte so zur Verletzung vom „Physio-Experten Adam The Sports Physio“ in einer Facebookgruppe: „Seit wann führt Technik denn zu einer Verletzung?“ Oder so ähnlich. Also ein eigentlich ziemlich guter Physiotherapeut, der auch evidenzbasiert arbeitet und scheinbar Ahnung hat, hat sich beim Kreuzheben verletzt. Er selbst sagt, dass seine Hebetechnik rein gar nichts damit zu tun hat, sondern, dass es einfach nur zu viel war. Am Ende des Zyklus, ermüdet, kurz vor dem Deload. Ok. Und jeder, wirklich jeder erzählt dir heutzutage, dass es immer nur um das „Belastungsmanagement“ geht. Ja, ok.

Das wird ja immer und immer wieder wiederholt. „Technik ist nicht wichtig, Körper passt sich an, es geht nur um das Belastungsmanagement, keine Untersuchung zeigt…“, ok, so langsam haben wir es wahrgenommen, aber nicht verstanden.

Weil, meine Antwort zum Thema…

Also es wird ja immer wieder erzählt, dass „Technik nicht zählt“ und es nur um „Belastungsmanagement“ geht, aber Technik ist ein Teil des Belastungsmanagements – alle bisherigen Daten, egal ob es über die Wirbelsäule handelt, invitro, Kadaver oder anderer Laborversuch, egal ob es allgemein um das Bindegewebe geht, zeigen, dass der Gewebestress (Belastung?) in der elastischen Zone bzw. schon in der plastischen Zone, am Ende der Bewegung, am größten ist. In der Neutralzone – LWS etwa 2° Flex pro Segment – im „elastischen Gleichgewicht“ hast du den geringsten Stress. Je weiter in Flexion bewegt, desto endgradiger, desto mehr elastische Zone der entsprechenden Fasern und desto größer die Belastung. Je höher die Kompressionsbelastung, desto kleiner wird auch noch die neutrale Zone… man kann mutmaßen, aber man kann auch auf Bindegewebsphysiologie, Untersuchungen und praktische Erfahrung von 1000ten von Powerliftern zurückgreifen und darüber nachdenken, was möglicherweise den Schaden verursacht hat – selbst wenn wir es wahrscheinlich nie exakt wissen können (Belastung > Belastbarkeit, ja, schön): von Satz zu Satz ging Adam weiter in Flexion – Kontrolle sieht anders aus – bis er am Ende in maximaler Flexion „hängt“. Weder ist das eine Technik die deine Performance verbessert, noch ist das eine Technik, die das Gewebe „am wenigsten belastet“. Je mehr Extensions-Flexions-Zyklen, je endgradiger eine Bewegung, je höher die (externe?) Belastung, desto schneller kommt – das ist auch Belastungsmanagement – ein Gewebe an seine maximale Belastbarkeitsgrenze. Ob es jetzt Deckplattenfrakturen sind, ob es das Ligamentum interspinosum ist, ob es eine radiale Fissur der Bandscheibe ist – es ist ein Schaden entstanden, das siehst du ja, sonst hätte er keine Ausfallerscheinungen des Quadrizeps und hätte sich nicht schmerzverzehrt an den Rücken gefasst nach seinem Kreuzhebe-Satz. Ob es eine akute Überlastung war oder es Fatigue Failure aufgrund der unterschiedlichsten Bindegewebseigenschaften (Creep, Hysterese und so weiter…) war, ob der Schaden über die letzten Wochen akkumuliert ist weil er ja unbedingt zeigen musste, dass Flexion gar nicht so gefährlich ist (100 Crunches am Tag, 100 Burpess am Tag, ständig wiederholen, dass Jefferson Curls ja so cool sind, dazu seine „Art zu heben“ um es vorsichtig auszudrücken…) – Flexion ist nicht gefährlich, aber zu viel eine Richtung ist halt zu viel eine Richtung, egal ob es ständig Extension ist, Flexion, Rotation oder den Arsch abwischen, irgendwann ist es wund und der Körper passt sich (vielleicht) an alles an, aber er braucht auch seine Zeit dafür, grade bei der schlechten Trophik der Bandscheibe (Matrixzusammensetzung und Trophik ähnlich wie Sehne und Bänder = kommt nicht so schnell hinterher) – aber ja, das lässt sich, wie ein Vorredner schon sagte, nur mutmaßen, aber man kann ja brainstormen um den etwaigen „Fehler im System“ zu finden, nicht? „Alles Belastungsmanagement“, ja, sauber und jetzt? Das bringt ja wirklich niemandem etwas, wenn das immer und immer wieder in der Endlosschleife wiederholt wird. Bist du jetzt cool wenn du diesen Satz raushaust oder was?

Ob er mit zu hoher Frequenz (Akkumulation von Mikrotraumen und keine Zeit zur Adaption?), mit zu hoher Intensität (Akute Überschreitung der Belastbarkeit), zu hohem Volumen (Fatigue Failure und Hysterese?) oder es die am Ende maximale (und unkontrollierte!) Flexion war (Plastische Zone und Creep?), das lässt sich auch nur mutmaßen. Aber das alles nur mal in den Raum geschmissen. Denn wir wissen ja: „Technik ist vollkommen egal“, ja ok, dann haben wir es jetzt endgültig verstanden… nein, das ist nicht richtig! Auch wenn es „die eine Kreuzhebeuntersuchung noch nicht gibt“ (RCT, 24 Monate, 2 unterschiedliche Arten zu heben, genug Teilnehmer etc…), ist Evidence Based doch und das vergessen sehr viele: Praktische Erfahrung + bestverfügbare Datenlage + individuelle Gegebenheiten und Möglichkeiten des Einzelnen, oder?

Also es gibt nicht wenige Hinweise darauf, dass das Heben in maximaler Flexion das Verletzungsrisiko erhöht und repetitive Beugungen unter Last (schneller) zu Schädigungen der Bandscheibe, Deckplatten und Ligamenten führen können, im Gegensatz zu „Stellung halten nicht bewegen“ (Gunning et al 2001, Cholewicki et al 1992, Adams 1995, 1986, 1980, 1985, Howe et al 2021, Adam et al 1981, 1985, 2000, Wang et al 2012, Schmidt et al 2009, Wade et al 2014, Roaf 1960, Holm et al 2004, Schmidt et al 2008, Hansson et al 1987, Williams & Wilkins 2009, Legerlotz et al 2013, Robi et al 2013, Wang 2006, Steele et al 2015, Wuertz et al 2009, Alfons Mascaro et al 2018, Magnusson et al 2010, Veres et al 2009, Gallagher et al 2006). Entschuldigung, aber ich könnte diese Liste weiterführen, ich könnte dir noch Daten zum Bindegewebe zeigen, ich könnte dir über meine Praxiserfahrung erzählen, bei der Arbeit mit Crossfittern, Powerliftern und vielen weiteren Personengruppen, welche wirklich häufig heben. Was ist nicht sage ist, dass einmal rund heben schlimm sei! Was ich nicht sage ist, dass es NUR seine „Technik“ war! Was ich nicht sage ist, dass der Körper sich nicht anpassen kann!

Nur mal laut gedacht…

Was umfasst denn eigentlich der Terminus Technik oder eher „Übungsausführung“? Unter anderem: Gelenkstellung, Geschwindigkeit, Stand- und Griffbreite, Schwerpunkt des externen Gewichts, Körperschwerpunkt und Unterstützungsfläche, Start- und Endposition („Set Up“), Betonung konzentrische oder exzentrische Phase, Bar Bath und viele weitere Dinge. Alles verändert die Belastung auf die eine oder andere Struktur oder die Belastbarkeit des Gewebes. Ist Technik also kein Belastungsmanagement? Alleine super slow im Vergleich zu explosiv ändert einiges an den wirkenden Kräften oder der Lastarm. Das kann man doch nicht leugnen und abtun, als würde es nichts bedeuten? Was ist das für ein Schwachsinn…

Okay, bei all den verfügbaren Informationen die ich habe…

Wenn man so möchte, dann zeigt seine Verletzung mehrere Möglichkeiten auf, wie es zu der Verletzung kam, lass uns einfach mal spielerisch überlegen, damit die Nachwelt nicht die gleichen „Fehler“ macht. Sorry ich vergaß, „es gibt keine Fehler, alles ist nur Belastungsmanagement“, ok. Jetzt hab ichs glaube verstanden…

1. Flexion ist akut nicht schlimm, aber repetitiv über Monate immer wieder in endgradige Flexion zu bewegen führt nicht zur Anpassung, sondern zu der Akkumulation von Schäden. Die Verletzung kommt nicht akut, sondern erst später. Flexion kannst du gegen jede andere Bewegung austauschen. Alles was zu viel ist ist zu viel. Auch bei „Physio-Profis“ ist das so. Hat das dazu beitragen? Könnte sein…

2. Er verletzt sich erst, als er in maximaler Flexion hing? Hat das dazu beitragen? Könnte sein…

3. Er verletzt sich beim schwersten Gewicht? Hat das dazu beigetragen? Könnte sein…

4. Er verletzt sich mit zunehmendem Volumen, zum Ende seiner Einheit? Hat das dazu beitragen? Könnte sein…

5. Er verletzt sich weil die Wirbelsäule unkontrolliert und maximal in Beugung bewegt? Hat das dazu beitragen? Könnte sein…

6. Er hebt in allen vorherigen Sätzen anders als im letzten. Vllt hat er sein Bindegewebe an die letzte „Technik“ (ist ja echt keine Technik alter…) noch nicht herangeführt, weil er den Großteil seiner Hebeversuche, auch über die letzten Monate und vielleicht Jahre, in einer anderen Technik ausgeführt hat? Hat das dazu beitragen? Könnte sein…

Er hat zu oft, zu viel, wie auch immer… er hat sich verletzt und Technik HAT Bedeutung, das kann man noch so oft leugnen und querdenken…

Technik ist Belastungs-management!

Die Reha von Meakins kann nicht funktionieren!!!

Doch kann sie!!! Was macht er? Er hat von 0 gestartet und langsam wieder aufgebaut, das nennt sich „graduierte Exposition“ und ist mehr oder minder der „state of the art“ der Reha! Dazu setzt er auf „Chance“: in 2/3 der Fälle wird der Schaden spontan resorbiert, das hatten wir ja oben schon! Er hat sich nicht nach mechanischen Überlegungen gerichtet, sondern nach Symptommodifikation und soweit ist das alles richtig, denn, was nutzt eine „Expertenmeinung“ die sagt, dass Flexion schmerzt, wenn eigentlich nur Extension schmerzt? Was ich anders gemacht hätte? Weniger große Fresse, weniger schnell und forsch, dem Gewebe mehr Zeit gegeben, mehr an Bewegungskontrolle UND TECHNIK gearbeitet. Also wie immer: Prüfet alles, nur das Gute behaltet! Und: Wer zuletzt lacht, der lacht am besten. Denn: Ist es perfekt was er macht? Ich denke tatsächlich nicht. Ist es gut genug? Wahrscheinlich schon. Ich geb ihm keine 1, ich geb ihm eine solide 3+… so wie er es vormacht würde ich es tatsächlich keinem meiner Patienten empfehlen! Also Kinder: nicht alles nachmachen was ihr im Fernsehen seht, denn, es kann funktionieren, muss es aber nicht.

Trainingsplanung ist Belastungs-management!

Aber ich gehe davon aus, dass ich für meine Antwort, wie immer, angegangen werde, weil das ja alles nicht stimmt, weil es am Ende ja ausschließlich das Belastungsmanagement ist. Ok, danke, ich habe es verstanden, over and out! #technikistbelastungsmanagement


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