(P) REHAB BIOMECHANIK PHYSIOTHERAPIE

BANDSCHEIBENMECHANIK UND DAS DYNAMIC DISC MODELL?

Dynamic Disc Modell falsch Bandscheibe

Du hast dich verletzt, Bandscheibenvorfall, was tun?

Erstmal beruhig dich. Dann hast du schonmal eine bessere Wundheilung! Auch eine Bandscheibe heilt wie jedes andere Gewebe ab und in vielen Fällen sogar „einfach so“, ohne, dass du irgendwas Besonderes tun musst!

Schau dir das an: Nach 2 bis etwa 56 Monaten wird eine Bandscheibe, egal was gemacht wird, bei knapp 67% der untersuchten Personen spontan resorbiert (Zhong et al 2017) – 2 bis 56 Monate, da das der Zeitraum war in welchem geschaut wurde. 2/3 ist schonmal eine Ansage, oder? Interessant wäre jetzt eine Folgeuntersuchung die zeigt: Es geht schneller oder die 67% kann erhöht werden, wenn mit einem bestimmten Protokoll gearbeitet wird! Aber dennoch: In 2/3 der Fälle wird alles gut, egal was du tust! Bei 30% aber nicht und 56 Monate warten bis alles gut ist, ist auch recht lange, oder? Doch trotz allem stehen deine Chancen sehr gut! Ein Bandscheibenschaden muss in der Regel NICHT operiert werden!

Das perfekte Programm für den Bandscheibenvorfall!

Viele Patienten haben Probleme bei bestimmten Bewegungsrichtungen – also die Beschwerden können bei Beugung oder sogar Streckung, manchmal auch einfach bei Kompression ausgelöst werden oder lange einseitige Haltungen… – hier besteht nach wie vor keine Einigkeit was jetzt genau die Beschwerden auslöst, oder? Seit 1981, einmal durch Cyriax und McKenzie, wurden Therapieformen gezeigt, die den Bandscheibenkern wieder zentrieren sollten – daraus sind u.a. einige Therapieformen abgeleitet – mechanische Diagnose und Therapie von McKenzie z.B. – diese Therapieformen werden heute noch gelehrt werden, aber werden auch immer und immer wieder von „Experten“ angegriffen, naja, manchmal sogar „zerrissen“ sie wären nicht „wissenschaftlich“. Aber es funktioniert doch seit knapp 30 Jahren bei einer Vielzahl von Menschen? So falsch kann es doch nicht sein?

Alles richtig, trotzdem falsch?

Es gibt Daten die zeigen, dass der Nucleus entgegen der Kompressionsrichtung bewegt (McKenzie 1981, Donelson et al 1997, Alexander et al 2007, Botwin et al 2001), das bedeutet, dass Beugung eher negativ auf den akuten Bandscheibenschaden wirkt. Also so, wie du es vielleicht schon gehört hast. Aber es gibt hier auch andere Stimmen! Beispielsweise, dass der Kern nach posterior läuft bei Extension? Also genau andersherum und in diesem Fall wäre die Streckung eher das Problem! Aber wie kann das sein, dass das so unterschiedlich ist?

Naja, ganz unterschiedlich ist es gar nicht und ist vielleicht eher aus dem Kontext gerissen. Kolber konnte 2013 beispielsweise zeigen, dass sich in über 80% der Fälle die Richtung, in welche der Bandscheibenkern bei Bewegung verlagert vorhersagen lässt – also machst du Flexion, schiebt der Kern nach dorsal (hinten), machst du Extension, schiebt der Kern nach ventral (vorne) – in 20% ist es aber „variabel“ und unvorhersagbar, grade bei stärkerer Degeneration der Bandscheibe! 80% ist wiederum sehr viel, nicht? Also bei 4 von 5 hat McKenzie dann doch noch recht? Wahrscheinlich. Aber warte mal! Was sagt denn McKenzie überhaupt? Er sagt, dass man eine Zielbewegung sucht, welche zu einer Zentralisation des Kerns und der radikulären Schmerzen führt! Das KANN und das DARF sogar auch die Beugung sein!!!

Dr. Dr. Dr. „The Sports Physio“ hat sich verletzt, wissen ja viele, beim Kreuzheben und alle „Hater“ sagen ihm, dass er scheiße gehoben hat und es kein Wunder wäre! Jetzt ist seine Hauptaufgabe anscheinend zu zeigen, dass er fehlerfrei ist und hat letztens eine Untersuchung von Alyas gepostet! Hiermit möchte er anscheinend unterstreichen, dass er Recht hat und alles was so erzählt wird falsch ist – er möchte auch zeigen, dass beispielsweise das „dynamic disc model“ falsch ist, also, im Grunde, dass McKenzie, Donelson, Alexander, Adams, Botwin, Kolber und viele andere Wissenschaftler falsch liegen wenn sie sagen: „Nucleus Migration nach dorsal bei Flexion“! Er hat Recht, aber alle anderen auch!!! Kolber und Kollegen haben 2013 ja eben zeigen können, dass es bei 80% der Probanden schon so ist, bei 20% halt nicht. Bums falarah… Ich bin nicht für, nicht gegen, ich bin für differenziert und für „es kommt darauf an“, ich bin für: Lass uns doch darüber diskutieren wie es zu den unterschiedlichen Ergebnissen kommt? Aber oft wollen alle nur Recht behalten…

Es wird aber beispielsweise auch von Alyas gezeigt, dass bei einigen untersuchten Probanden eine Flexion zu einer Verstärkung der dorsalen „Vorfallsgröße“ führt – also, wie man bei 80% erwarten würde – und selbst wenn die 80% nur „theoretisch“ so wäre, du weißt ja natürlich nie ob du die 20% oder die 80% bist – das ist das Problem bei „Statistik – ist es ja schon so beschrieben und man kann jetzt nicht sagen, dass das alles falsch sei – sondern müsste erklären, weshalb die unterschiedlichen Ergebnisse zustande kommen, denn bei einigen Probanden kommt es eher zu einem größerem dorsalen Bulging bei Extension (Alyas et al 2008) – ja, auch das ist richtig! Je mehr Degeneration UND JE WENIGER STIFFNESS EINE BANDSCHEIBE, desto mehr Bulging auf der Seite, auf welcher die Kompression stattfindet – wenn du einen riesen Vorfall hast, dann schmerzt auch die Extension – die Cobra bzw. die „McKenzie Extension“ das ist ja kein Allheilmittel – in diesem Fall hältst du die Wirbelsäule eher „neutral“ und lässt „spontan resorbieren“ – aber beide „Modelle“ schließen sich gegenseitig ja nicht aus, sondern erklären nur, wie die unterschiedlichen Symptome, Ausfälle und Beschwerden des Patienten erzeugt werden! Wichtig zu wissen! Denn wenn die Extension schmerzt und die Flexion nicht, dann spricht das daher nicht immer nur für eine Facettenproblematik, also muss man aufpassen wenn man mit pauschalen Aussagen arbeitet! Aber das ist doch, hoffentlich, gängige Praxis an welcher absolut nichts auszusetzen ist!? Also am Hinterfragen und eben nicht mit pauschalen Aussagen arbeiten.

Eine saubere Differentialdiagnostik und keine pauschalen Kochrezepte bei „Rückenschmerz“? Allgemeingültig die „Cobra“ zu empfehlen, v.a. bei symptomatischen Bandscheiben, ist natürlich nicht richtig, aber zu sagen, dass es vollkommen egal ist was du machst, ist genauso wenig richtig. McGill konnte schon in seinen Laborversuchen – ich hatte mal mit ihm gesprochen – zeigen, dass das Bulging bei sehr „weichen“ Bandscheiben dort vermehrt auftritt, wo die Hauptkompression stattfindet – also bei Extension hinten, bei Flexion vorne – selbst „the back guy“ stellt das differenziert dar und auch er erklärt: Es geht um Symptommodifizierung, nicht um Schubladen-Reha-Plan! Um eine individuelle Begutachtung der Schmerzauslöser und eine strukrurierte und langfristig ausgelegte Rehaplanung! Im Grunde sagt er dann exakt das gleiche wie „The Sports Physio“, welcher auf „The Back Guy“ herumhackt – also vollkommen nutzlose Diskussion die vielleicht viele Patienten verunsichert: Beide sagen, dass man schauen muss, was in der Praxis funktioniert, was nicht. Erklären kannst du ja beide Seiten?

SYMPTOM-MODIFIKATION IST WICHTIGER ALS MECHANISCHE ÜBERLEGUNGEN UND THEORIE, ganz gleich der Datenlage!

Naja aber entschuldige, denn nutzlos ist diese Diskussion vielleicht nicht, ich hoffe eher, dass diese „Diskussion“ einfach nur sensibilisiert und das Thema für einige wieder interessanter macht und „alteingesessene“ Theorien überdacht werden und weniger „pauschal“ behandelt werden…

Das Dynamic Disc Modell in der Praxis zur Patientenedukation?

Bei diesem Modell verschiebt sich der Bandscheibenkern, je nachdem auf welche Seite du drückst, zu Gegenseite. Drückst du vorne drauf, rutscht der Kern nach hinten, drückst du hinten drauf, rutscht der Kern nach vorne. Das ist nicht 100% perfekt, aber es ist gut genug! Vor allem, weil das Ding noch mehr kann als einfach nur den Kern zu verschieben, zumindest die von DDD.

Es wird dem „Modell“ vorgeworfen, es würde dem Patienten Angst machen, Schmerz verschlimmern und ein „starker Nocebo“ sein, aber das stimmt nicht! Es ist nicht das Modell, es ist deine Erklärung, deine Wortwahl, es bist du als Therapeut. Das Modell ist cool und hilft dabei dem Patienten grundlegende Anatomie und Biomechanik näher zu bringen, damit er seinen Schmerz oder seine Verursacher versteht. Selbst wenn das nicht immer 100% perfekte Biomechanik sein sollte, deine Wortwahl und das was du da sagst, das nimmt Angst, Sorge und Stress und hilft dabei den Schmerz zu reduzieren und den Rehaprozess zu unterstützen.

SPEKTAKULÄRER PRAXISTIPP:

Also letztendlich ist der klinische Befund und die Beeinflussung der Symptome der Grundstein zur Erstellung des „Rehaplans“ und da sind wir dann, trotz all der Expertise, wieder in der Tierwelt…

Wenn die Katze Schmerzen bei Flexion hat, dann macht sie keine Flexion mehr. Wenn die Katze Schmerzen bei Extension hat, macht sie keine Extension mehr.

Also sei eine Katze.

Gute Besserung!


Wenn du mehr zu diesen Themen wissen willst, wie man eine Reha plant, wie es zu Wirbelsäulenverletzungen kommen kann, dann komm doch am 18.9 + 19.9 zum Workshop: Kreuzheben und Rückenprobleme!

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