(P) REHAB ANEKDOTEN PHYSIOTHERAPIE

PHYSIOTHERAPIE: GESCHICHTEN AUS DER PRAXIS (TEIL 1)

Physiotherapie Anekdoten aus der Praxis Überbeweglichkeit

Kontraindikationen im Heimprogramm?

„Sie machen Krafttraining und dehnen sich nicht? Ist ja kein Wunder, dass Sie solche Beschwerden haben und so verkürzt sind…“

Ok. Patient. Joggt und wandert gerne – hat aber immer bei längeren Strecken ein Problem mit den Kniegelenken. Beidseitig. Seit über 20 Jahren! In der Anamnese kam heraus: Erstmal gar nichts. Keine großartigen Grunderkrankungen, nichts auffällig und nicht einmal Beschwerden! Kommt und geht? Mal steht und dann geht es wieder – es gibt keinen direkten Auslöser, nichts was bewusst ist. Manchmal kommt es einfach, wenn eine Haltung lange eingenommen wird oder wenn lange gejoggt wird, oder oft, oder… Gemeinsamkeit? Oft und lange. Also doch etwas auffällig. Aber es kommt und geht – wie kann das sein? Bildgebung unauffällig – „kein strukturelles Problem“, so die Diagnose! „Es ist das Schmerzgedächtnis, wir müssen erstmal mit ein paar passiven Maßnahmen arbeiten (und dir, lieber Patient, das Geld aus der Tasche luchsen)“, so der Onkel Doktor. Achso und dann liegt der Patient so auf meiner Liege und ich mache 1,2 Tests – ich bin noch gar nicht richtig angefangen und er ist schon fast aus der Hose gesprungen – „also sowas hat bisher noch keiner bei mir gemacht, so eine Untersuchung“ – seit 20 Jahren dachte ich? Oooookay, Meister. Der erste Test war schon auffällig – ein Knie, was dorsal keinerlei Stabilität hat – wirklich, da war kein Anschlag, das Knie war so stark überstreckbar, wir mussten gar nicht mehr weitertesten. „Schonmal jemand etwas zur Stabilität des Knies gesagt?“, ne erwiderte er, er sollte mehr dehnen und an der Beweglichkeit arbeiten. Ok, direkt mal Kontraindikationen beüben und das überbewegliche Gestell noch weiter weghauen. Ehm, nein. Die gesamte Untersuchung, was hats ergeben? Eine „multidirektionale Instabilität des Kniegelenks“, habe ich so noch nicht gesehen, aber alles andere war super. Palpatorisch nichts, kein Provokationstest war auffällig, auch keine Bewegung – Ausfallschritt, Kniebeugen, Peterson Squats und so weiter. Paar Kleinigkeiten waren noch dabei die wir bearbeiten, aber das Knie selbst war eigentlich im Lack – nur eben extreeeem beweglich.

Wieso dann wechselnde Probleme? Naja, je nach dem wo das Gelenk aufgrund der laxen Bänder aufklappt, da entsteht auf der einen Seite Kompression, auf der anderen Traktion – Zeit heilt zwar alle Wunden (wobei ich das nicht einmal glaube…), Zeit lässt das Gewebe aber auf jeden Fall auseinanderkriechen – soll heißen? Das Band wird über die Dauer länger, wenn du dich in der elastischen Zone befindest – in der plastischen Zone, also nahe maximaler Dehnstellung, wird’s dann schmerzhaft und du traumatisierst das Gewebe. Deshalb ist der Faktor ZEIT hier entscheidend – schon in der Anamnese war das auffällig.

Da Bänder, Sehnen und passives „Anhängsel“ des Gelenks auch eine schlechtere Trophik aufweisen, als beispielsweise Muskulatur oder Knochen, regenerieren diese Strukturen auch deutlich langsamer – wenn du dann einmal was hast, dann dauerts länger bis es wieder weg ist und wenn du da eine Problematik hast, dann sollte die Trainingsfrequenz auch entsprechend gewebespezifisch angepasst werden.

Also, was machen? Auftrainieren. Gezielt. Und in diesem Fall? Erklärung, Angst nehmen und graduierte Exposition – schwierig ist es immer nur sich gegen „Kollegen und Ärzte“ durchzusetzen – aber das ist nicht meine Aufgabe. Ich kann keinem sein Vertrauen aufzwingen – da muss man schon selbst reflektieren, welcher Weg der Richtige ist.

Ernährung in der Physiotherapie?

„Lipödem? Ne Ernährung hat keinen Einfluss auf ihre Problematik. Autoimmunerkrankung? Ne, mit Ernährung kann man da nichts machen. Wundheilung und Regeneration? Mir wäre neu, wenn man da mit Ernährung unterstützen könnte. Darmflora und Schmerzproblematiken? Haha, da kann ich nur lachen, nein, der Darm ist wie Las Vegas, was dort passiert, das bleibt dort, oder meinen Sie, dass der Darm irgendwie am Rücken zieht? Unsinn.“

Also Ernährung hat keinen Einfluss auf die Funktion unseres Körpers? Keinen Einfluss auf die Funktion unserer Zelle? Achso, wusste ich gar nicht. Ich dachte die Prostaglandinbildung und somit „Entzündungsprozesse“ sind vom Fettsäureverhältnis der Nahrung abhängig? Ich dachte, dass das Immunsystem über Lipopolysaccharide, aber auch gesättigte Fettsäuren im Blut, hohe Blutzuckerspiegel, verschiedene Anitnutriente, freie Radikale und mehr aktiviert werden kann und, dass es einen extremen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung, Wundheilung und Reparaturprozesse hat? Dass das schnellproliferierende Immunsystem und unsere Bindegewebszellen viel Protein benötigen, dass Glutamin, Glyzin, Hydroxyprolin und Kollagen, dass Enzyme wie Bromelain, aber auch Substanzen wie Ornithin und Co die Wundheilung extrem positiv unterstützen können, das ist doch auch nachgewiesen? Der führende „Gluten- und Getreideforscher“ Alessio Fasano sagte: „Der Darm ist NICHT Las Vegas – das was im Darm passiert, das bleibt nicht im Darm!“ – gibt es hier Probleme, dann gibt es im gesamten Körper Probleme. Mittlerweile ist es auch bewiesen, dass Dysbiosen, das Mikrobiom, also die Darmflora, sich extrem positiv bzw. auch negativ, auf die Schmerzwahrnehmung und Entzündungsprozesse auswirken können! Infektionen führen zu Wundheilungsstörungen? Unspezifische Schmerzsyndrome können aufgrund von niedriggradigen Entzündungen, gastrointestinalen Hyperpermeabilitäten, Nährstoffmangel, psychoemotionale Prozesse und vielem mehr beeinflusst werden!? Wie wächst denn so ein Kreuzband an? Mit Luft und Liebe? Wie entsteht eine Autoimmunerkrankung? First Hit, Second Hit, Barriereschaden, molekulare Mimikry, Vitamin D, Omega-Verhältnis, Dysregulation des T-Zell-Immunsystems, IL-17, Dysbiosen und mehr? Alles mit Nahrung beeinflussbar.

Wie können viele „Kollegen“ und „Ärzte“ sagen, dass Nahrung keinen Einfluss auf unseren Körper hat, auf Schmerz und Wundheilungsprozesse? Wie können diese „Experten“ sagen, dass es psychisch ist, dass es Quatsch ist, dass es falsch du nicht zielführend ist, wenn man sich mit Ernährung im Bezug zu seinem Problem beschäftigt?

Da gabs mal eine Patientin mit Schmerzen in den Beinen aufgrund der Diagnose „Lipödem“ – die fragte den Arzt ob man da nicht etwas mit Ernährung machen könnte? Der Arzt sagte, dass man da weder was mit Sport und Ernährung machen kann und diese junge Frau hatte sich dann halt damit abgefunden. Durch Zufall lernten wir uns kennen und ich hab ihr bisschen über Ernährung erzählt – ein Glutenverzicht eliminierte 95% der Beinschmerzen!!! Nur Gluten!!! Glutenunverträglichkeit war „ausgeschlossen“, auch getestet – aber wie genau sind solche Tests wirklich? Am Ende: Es hat einen GROßEN UNTERSCHIED gemacht – mehr Lebensqualität, weniger Leiden, mehr Freude. Und bei so „Diagnosen“ bin ich auch immer vorsichtig – die meisten Symptomatiken der meisten Menschen sind nicht „Krankheit“, sondern Lebensstil und können somit auch extrem POSITIV beeinflusst, wenn nicht sogar zum verschwinden gebracht, werden.

Wie können „Experten“ immer noch behaupten, dass man „mit Ernährung nichts machen kann“?

Wenn du eins von diesem Artikel mitnehmen solltest, dann das hier: Wenn DU ES WIRKLICH WILLST, dann kannst du IMMER etwas tun! Auch wenn du die Lösung jetzt noch nicht gefunden hast, du HAST IMMER MEHR MÖGLICHKEITEN! Und nicht je der „Experte“ ist wirklich gut darin „Experte“ zu sein!

(Auch interessant: Dieser Artikel gibt dir noch mehr Einblick darüber, wie du mit Ernährung deine Regeneration und Wundheilung verbessern kannst!)

Die Entzündung aus dem NICHTS!

„Also ne, das ist keine Verletzung, das ist nur eine Entzündung!“

Bandscheibenvorfall – Probleme beim Socken anziehen, beim Niesen, Schmerzen in der ISG-Fuge – ich so „ja, ist eine Bandscheibenschaden, Anamnese, Befund, alles eindeutig“ – nein, Diagnose passte dem Herrn nicht, also erstmal zum anderen Therapeuten. „Ehm, der sagt, dass es nur eine Entzündung ist und behandelt mich von jetzt an weiter, danke tschüss… und sowieso kann es keine Bandscheibe sein, weil ja nichts ausstrahlt…“ – ok. Beschwerden wurden schlimmer, MRT, Bandscheibenschaden – alles klar.

Wenn es eine „Entzündung“ ist, dann kommt die auch irgendwo her – entweder aufgrund der nicht optimalen Ernährungsweise oder einer strukturellen Verletzung und gegebenenfalls auch aufgrund einer Autoimmunreaktion – egal was, nichts davon wird passiv behandelt indem der Patient mit seinem Allerwertesten auf der Liege liegt und der Patient irgendwo am Gelenk rumbumst und nicht davon wird überhaupt passiv behandelt. Es tut mir leid.

Moderne Physiotherapie!?

Coaching, Aufklärung, Lebensstiloptimierung, bindegewebsorientierte Rehabilitation und Achtsamkeit bei der Wortwahl, sowie mentale Unterstützung. Das ist Physiotherapie – nenn es „Bio-Psycho-Sozial“, oder einfach „mit Gehirn“, aber du behandelst nie das Symptom, solltest du zumindest nicht, sondern immer den ganzen Menschen – mit Stress, mit Alltag, mit Familie, mit Sorgen und Problemen, mit Ernährung, mit Bewegung, individuellen Zielen, Wünschen und mehr.

Willst du ein besserer Physiotherapeut und Trainer werden? Dann schau dir unbedingt das Spezialseminar: „Ernährungsstrategien für Physiotherapeuten“ an und schließ ein paar unnötige Wissenslücken und erweiter deine Möglichkeiten am Patienten.


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