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DIE 4 HAUPTGRÜNDE EINER VERLETZUNG? #shithappens

Ursachen für Verletzungen

Ich persönlich unterscheide je nach Ursache und dem primären Verletzungsgrund grob zwischen 4 unterschiedlichen Kategorien von Verletzungen oder Verletzungsursachen; zum einen um dem Klienten den Mechanismus auf einfache Weise erklären zu können, zum anderen aber auch um daraus Schlüsse für das Reha-Vorgehen abzuleiten.

1. Lebensstil bezogen (sekundäre Verletzungen)…

Lange Zeit der Inaktivität oder andere Verhaltensweisen welche die Stabilität und die Gesundheit des Gewebes reduzieren, Dysbiosen, chronisch niedriggradige Entzündungen, sowie Grunderkrankungen wie Diabetes und ähnliche. Hierzu gehören dann beispielsweise Disuse-Syndrome, Diseasom-Physical-Inactivity und Zivilisationskrankheiten, aber auch Stress- und Schlafmanagement, sowie Ernährungsfaktoren. Nicht selten findest du hier auch mehrere „Baustellen“ – hier und dort eine Verletzung oder das gehäufte Auftreten von Verletzungen, dann zusätzlich Schmerzen in ganz anderen Bereichen und du weißt gar nicht wo du genau anfangen sollst – es sieht auf jeden Fall „größer“ aus, als bloß nach einer isolierten lokalen Verletzung. Bei diesem Personenkreis liegt der Fokus nicht nur in der direkten Beeinflussung jedes einzelnen „Wehwehchens“, sondern primär viel globaler auf der gesamten Person bzw. auf den Dingen, welche am Anfang der Beschwerden stehen bzw. ursächlicher dafür verantwortlich sind – Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Schlaf- und Stressmanagement, generelle Inaktivität und so weiter. Stell dir einen Wald vor, bei welchem der Boden, warum auch immer, vergiftet wurde – der Wald steht in diesem Beispiel für die gesamte Person, Verhalten, Lebensstil usw. und die Verletzung oder das schmerzende Gelenk wäre jetzt der einzelne Baum – in diesem Beispiel wären es dann mehrere „einzelne“ Bäume, also eher der gesamte Wald entwickelt früher oder später Probleme. Du würdest nicht zwangsläufig (nur) jeden einzelnen Baum separat sanieren und den Wald in seiner Gänze unberührt lassen, sondern du würdest wahrscheinlich vor allem versuchen den gesamten Wald positiv zu beeinflussen – ohne „Korrektur“ des vergifteten Bodens kannst du am einzelnen Baum werkeln wie du möchtest, er wird eingehen. Wenn ein Mensch mit beispielsweise Diabetes mellitus eine Wundheilungsstörung aufgrund der Insulinresistenz hat und auf Basis dessen eine Sehnenproblematik an Fuß, Schulter, Ellbogen und anderen Stellen entwickelt, bringt es wenig sich nur auf die Sehne zu konzentrieren oder für jede einzelne Sehne ein komplexes Rehaprotokoll anzubieten – du würdest mit allgemeiner Bewegung, Supplementierung und vermutlich Ernährungsinterventionen versuchen die Stoffwechsellage zu verbessern und mit unterschiedlichen Mitteln versuchen eine ordnungsgemäße Wundheilung zu ermöglichen, also die „Gesundheit des gesamten Waldes verbessern“, damit die einzelnen Bäume wieder wachsen können. In einem gesunden Menschen findest du gesundes Gewebe!

Natürlich können auch junge Menschen, Sportler und andere „fitte“, zumindest zu Teilen, dieser Kategorie angehören, denn „fit ist relativ“ – ein Nährstoff- oder Schlafmangel, eine gewebeschwächende bakterielle Infektion, psychoemotionaler Stress, all das macht ja vorm Alter nicht halt und es muss nicht immer eine offensichtliche Grunderkrankung vorliegen.

2. Ermüdungsverletzungen bzw. Fatigue Failure Verletzung…

Hiermit sind Ermüdungsverletzungen gemeint und hier unterscheide ich zwischen zwei verschiedenen Arten: Die akute und die chronische Form. Eine akute Fatigue-Failure-Verletzung erkläre ich auf Basis der Bindegewebseigenschaften und einer temporären Reduktion der Belastbarkeit, so, dass auch submaximale Belastungen zu einer Verletzung führen können. Beispielsweise ist die Bandscheibe am morgen anfälliger für Verletzungen als abends und tendenziell ist das Gewebe auf Basis der Hysterese nach mehreren Zyklen (Wiederholungen? Sätzen? Höheres Volumen?) weniger belastbar.

Eine chronische Fatigue-Failure-Verletzung gleicht eher der klinisch stummen Phase – das Gewebe nimmt durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Regeneration über Tage, Wochen oder Jahre, meist unbemerkt, Schaden und reduziert somit sukzessiv seine Belastbarkeit. Ab einem gewissen Punkt benötigt es dann keine große Krafteinwirkung mehr, damit der Schaden nicht nur klinisch stumm, sondern jetzt auch klinisch laut wird.

Hier versuchst du vor allem, zumindest mittel- und langfristig, das Belastungsmanagement zu optimieren. Gewebe passt sich zwar an nahezu alles an, aber wie heißt es so schön: Wenn alles seine Zeit hat, dann bedeutet das auch, dass alles seine Zeit braucht.

3. Shit Happens?

A: Du weißt beim besten Willen nicht wie das passieren konnte oder es ist einfach viel zu komplex alle Möglichkeiten abzuklappern. Du findest zwar immer irgendwelche Faktoren die an der Entstehung der Verletzung beteiligt sind – so ein ganz rundes Bild ergibt das aber trotz allem nicht und basiert eher auf vielen Theorien und Hypothesen.
B: Oder es war einfach ein Unfall – du bist weggerutscht, hingefallen, egal, du hast dich verletzt, Shit happens.
C: Hierzu zähle ich dann beispielsweise auch Prellungen und ähnliche Verletzungen, also eher „Kleinkram“ der mal vorkommt.

Bei diesem „Shit Happens ABC“ musst du nicht wirklich „ursächlich“ arbeiten oder den Detektiv spielen, es ist halt passiert. Du arbeitest orientiert an der Wundheilung.

4. High Impact Verletzung (Primäre Verletzungen)…

In der Regel deutlich über das Normalmaß einwirkende Kräfte die meist auch plötzlich auf das Gewebe und ohne Vorbereitung einwirken. Du hast z.B. 140kg beim Bankdrücken mit Hilfe rausgehoben und hast eigentlich immer nur mit 120 trainiert, du hast spontan mal einen einarmigen Klimmzug versucht, obwohl du nie dafür trainierst hast oder du bist seit Jahren nicht gejoggt oder gar gesprintet und willst „mal kurz über die Straße rennen“, also, die Belastung war einfach zu hoch und oder ungewohnt für deine derzeitige Belastbarkeit. Zu den „High Impact Verletzungen“ zählt aber auch ein wenig der Shit Happens-Teil wie das Fußball-Duell, bei welchem dir einer von der Seite ins Knie reinspringt, das Gewicht beim Gewichtheben, welches ausschert, der Autounfall, der Treppensturz oder das ausrutschen auf Laub im Herbst. Einige Teile aus dieser Kategorie kannst du zwar ursächlich angehen – „keine Faxen mehr machen“ – aber auf alle Eventualitäten kannst du dich auch hier nicht vorbereiten. Du arbeitest orientiert an der Wundheilung.

In der Praxis siehst du natürlich auch Mischformen. Je nach Kategorie arbeitest du eher lokaler oder eher systemischer, mechanischer oder eher du nimmst über Lebensstilfaktoren Einfluss. Obwohl beispielsweise zwei Menschen die gleiche Diagnose haben, kann das Vorgehen auch mal deutlich anders aussehen.

Gründe für Verletzungen je nach Altersklasse!?

Als Kind:

Vom Baum gefallen.
Vom Auto angefahren.
Von einer 5m Mauer gesprungen.

 

Ab 30:

Falsch geschlafen.
Zu lange gesessen.
Zu kräftig geniest.

 

In dem Sinne!


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Ciao Kakao!


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