(P) REHAB ANEKDOTEN PHYSIOTHERAPIE

PHYSIOTHERAPIE: GESCHICHTEN AUS DER PRAXIS (TEIL 2)

Geschichten aus der Physiotherapie Teil 2 Anekdoten von Physiotherapeuten

Es war einmal ein Rücken!

„da kann man einfach nichts mehr machen“ sagte Doc Holiday, stieg in seine Zeitmaschine und flog davon… „sie haben jetzt schon alles ausprobiert, da wird nichts mehr helfen, wir können aber gerne einmal operieren“, aber was, fragst du dich, wenn doch eigentlich gar nichts da ist? Und hast du wirklich alles ausprobiert? Ich glaube nicht, Tim.

Da war einmal ein Patient namens G., athletisch, stark, sah gut aus, aber hatte Rückenschmerzen – hat natürlich alles ausprobiert… – unspezifisch wurde ihm gesagt, das sagten ihm ganz viele „Therapeuten“ und „Ärzte“, aber in der Untersuchung zeigte er ein bestimmtes klinisches Muster – das sind so immer wiederkehrende Muster, welche den klinischen Alltag erleichtern, zumindest die Diagnose- und Lösungsfindung – die helfen auf der einen Seite, sind aber Scheuklappen auf der anderen, dessen muss man sich immer bewusst sein! Er hatte Probleme beim Socken anziehen, Niesen, lange sitzen, aber Stufenbettlagerung und schön „in Beugung dehnen“ tat ihm gut – naja, aber du weißt vielleicht worauf ich hinaus möchte? Ok, es war ein Bandscheibenschaden – ein „chronischer“ fragst du jetzt? 10 Jahre? Es gibt hier ein RIESEN Problem in der „modernen Physiotherapie“ – nur weil viele Personen ohne Beschwerden Auffälligkeiten im MRT zeigen, bedeutet es nicht im Umkehrschluss, dass eine Auffälligkeit im MRT bedeutet, dass es nicht die Ursache sein kann! Ein MRT ist auch echt „unspezifisch“ – du hast dir das vielleicht mal angeschaut? Genau – und das sieht für den Radiologen genauso ungeil aus wie für dich – der ist nur kreativer und erkennt aus den ganzen Schatten, schwarz und weiß dann doch mal eine Struktur und überhaupt: Der Radiologe sieht nichts, nicht einmal den Patienten! Oft zumindest nicht… Bei etwa 30% der Bandscheibenschäden, die intraoperativ gesehen werden, sieht man im MRT nichts! Zudem die meisten Menschen nicht in Rückenlage oder in Neutralstellung Schmerzen haben, sondern im Sitzen, bei Aktivität, aber wie wird das MRT gefahren? Eben, in Rückenlage, Neutralstellung, unbewegt. Im Optimalfall sollte immer ein Funktions-MRT gefahren werden, Upright und dann noch mit Kontrastmittel, dazu eine klinische Untersuchung und Bewegungsanalyse, eine ausführliche Anamnese, eine Stunde zusammen alle Übungen abtrainieren, ein Maximalkrafttest, der Alltag begutachtet und eine Arthroskopie, ja, ich weiß, unrealistisch, ich möchte nur aufzeigen, dass man bloß aufgrund von 1,2 Testungen und einem „stumpfen MRT“ Bild in Rückenlage, einem großen Standard-Blutbild, noch keine Aussage treffen kann was es ist, ob es „unspezifisch ist“ oder nicht – selbst wenn es mal nicht direkt durch klinische Tests auslösbar ist – denk an Referred Pain, denk an das Mikrobiom und Dysbiosen, denk an die Gelenkschmerzen bei einer schweren Grippe (früher hieß das so, heute nennt sich das Covid…), es gibt sehr viele Dinge die Schmerzen, v.a. auch Rückenschmerzen auslösen können. Um etwas Nozebo zu streuen: Auch ein Herzinfarkt oder ein Tumor kann mal Rückenschmerzen machen, eine „Gürtelrose“ oder ein Parkinson – bei deiner „unspezifischen“ Diagnose, bist du dir sicher, dass du all diese Sachen und noch mehr auch abgeklappert hast? Eben.

Also zurück zu G. – 10 Jahre Beschwerden, nach wenigen Monaten „Therapie“ wieder schmerzfrei, fit, stark – hebt, beugt, sprintet durch den Wald, macht auch mal einen Jefferson Curl und sitzt Stunden lang einfach so herum.

Also ja! Auch „chronische Beschwerden“ könnten manchmal noch „akut“ sein – wie eine Wunde, die du immer wieder „aufkratzt“ und nie abheilen lässt – denk an deinen Hund, der eine offene Stelle hat die einfach nicht abheilen möchte, monatelang – ist das am Ende akut oder chronisch? Per Definition chronisch, aber was bringt dir die Definition für die Lösung? Nichts.

Einfrieren, Frösteln und Auftauen… die Frozen Shoulder!

Ein interessantes Krankheitsbild, was ich lange nicht mehr gesehen habe – bis auf letzte Woche! Ich hatte zwar viele solche Leute „post-OP“ in der Vergangenheit, aber ja, nur damals als „Physiotherapeut“ – erstmal: Es ist eine Hyperaktivität von Lysil Oxidase zu finden (Kupferüberschuss? Molybdänmangel?), oft eine Korrelation mit höheren Blutzucker- und CRP-Werten? Insulinresistenzen und anderen Stoffwechselproblemen? Interleukinen und niedriggradigen Entzündungen? Psychoemotionaler Stress? Erstmal, was ist das eigentlich, eine Frozen Shoulder?

Die Frozen Shoulder oder „Adhesive Capsulitis“ ist eine „spontane Einsteifung der Schulter nach einer Verletzung im umliegenden Bereich“ – selten tritt es auch „einfach so“ auf – ich habe es aber immer nur nach einer Operation oder einem Trauma gesehen. Binnen Stunden bis Tage steift das Glenohumeralgelenk ein – ohne bisher wirklich erklärbaren Mechanismus – ich recherchiere grade wieder vermehrt dazu und schreibe sicherlich noch einen Artikel – aber grade habe ich keine Lust groß zu zitieren, sondern möchte einfach nur mal wieder etwas schreiben. Zu diesem Zeitpunkt fand ich es nur interessant mal darüber zu berichten und es geht mir wie immer natürlich auch eher um das Dissen der Kollegen – du weißt schon, so bin ich…

Nein, es geht nicht ums Dissen, es geht ums „aufwecken“ – da gab es eine ACG-Sprengung und im Anschluss eine Adhesive Capsulitis des Glenohumeralgelenks – aber seit fast 10 Wochen beschäftigt sich da niemand mit! Kein Arzt, kein Therapeut – auf die Frage „wie lang kann es dauern“ gibt’s dann nur ein „das kann halt dauern“… Das hätte schon 1 Woche post-OP auffallen müssen, dass hier etwas im Busch ist, eventuell doch mal ein MRT um weitere Verletzungen auszuschließen und auch saubere „Mobi Übungen“ integriert werden, die das Glenohumeralgelenk betreffen und vielleicht eine kleine Ernährungsberatung – Ernährungsstrategien für Physiotherapeuten irgendwer? Zumindest dem Patienten zuliebe – zu wissen, dass dieser Schulterfrost 6 bis 42 Monate dauern kann, ist zwar nicht schön zu hören, aber besser als „das dauert halt“ – und wer weiß, vielleicht kriegen wir das schneller hin? Ich recherchiere auf jeden Fall noch mein Freund!

Auf jeden Fall Ernährung… denn: Du kannst Interleukine und den CRP ja nicht wegmobilisieren – die Lysiloxidase lässt sich auch nicht über manuelle Techniken oder Massagen dämpfen – aber die Kurkuma Latte könnte helfen? Eine ketogene Paleo Ernährung? Eine modifizierte Carnivore Ernährung? Jetzt kommen wieder die ganzen Profis und sagen „ja, es sind nur die Kalorien, wir brauchen doch Kohlenhydrate und eine hohe Mahlzeitenfrequenz, Supplemente sind auch nicht so wichtig wie die Makros und IIFYM…“, aber vergessen was wir doch immer in der Praxis sehen: Eine ausgewogene Mischkost, mit Tieren, Pflanzen, Gemüsen, Kohlenhydraten, alles da, Fisch, Fleisch, Früchte, Salate, Samen, Getreide, aber irgendwie entwickeln sich ja trotzdem „Krankheiten“? Was ich jedem empfehlen würde, der mit Schmerzen, Entzündungen und „komischen Krankheiten“ zu tun hat, ist eine ketogene Paleo Ernährung oder eine modifizierte Carnivore Ernährung oder zumindest die Ernährung von unserem „Einfach Essen“, von mir aus auch die „vegane Leber-Diät“ von den Billyboys – aber auf jeden Fall Nahrungsgifte, Antinutriente wie Gluten, eventuell auch Kartoffeln und Hülsenfrüchte, Linolsäure-haltige Pflanzenöle und bisschen zumindest die Kohlenhydrate, die Gesamtkalorien und die Mahlzeitenfrequenz reduzieren. Wir können über viele Dinge streiten, aber nicht über die grade genannten.

Also was jetzt tun? Antientzündlich arbeiten, Parasympathikus aktivieren, Kupfer reduzieren, Molybdän erhöhen, Omega 3 erhöhen, D3 erhöhen, Antinutriente raus, mehr Tiere, leichte und isolierte Mobilisationen des Glenohumeralgelenks, eventuell mit Curcumin arbeiten, Aufklärung.

Aber worum es geht? Eine richtige Diagnose bzw. Arbeitshypothese ist ja schonmal was wert – nicht nur für den Therapeuten, sondern auch für den Patienten. Ernährungsinterventionen sind ebenfalls, auch für Therapeuten, extrem gewinnbringend – zumindest Basissupplementierungen und eine lockere Paleo Ernährung kann man ja mal in den Raum schmeißen, nicht?


Was ich jedem VOR Operationen empfehle sind:

Mindestens eine Paleo Ernährung
Ausreichende D3
Ausreichend Omega 3 Fettsäuren
Linolsäure-haltige Öle raus
Ein gutes Multivitamin- und Multimineral
Mehr tierische Lebensmittel
Gerne Citrullin- und oder Arginin
Niedriggradige Entzündungen und Infektionen, sowie die Insulinsensitivität positiv beeinflussen


Wundheilungsstörungen korrelieren nämlich mit genau dem Gegenteil der obigen Punkte – wer will das schon?

So kommen wir zum nächsten Fall…

Lass uns doch ein viertes Mal operieren!?

„ja, wenn die ersten drei Operationen nicht geholfen haben, dann lass uns doch einfach nochmal operieren!?“

Und die Leute machen das auch noch mit? Nicht nur, dass es diverse OP-Risiken gibt, es ist auch noch ziemlich unwahrscheinlich, dass eine 4. Operation die Heilung bringt? Kann mal, aber wie lief denn die Reha ab, die Nachbehandlung? Wurde auf Nahrung und Alltag geachtet? „Bio-Psycho-Sozial“? Gibt es psychoemotionale Baustellen? Förderfaktoren, Barrieren im Alltag, im Job, im Sozialen? Grunderkrankungen? Falsche Erwartungen, Glaubenssätze, vielleicht sogar nur Unwissen und Ungeduld? Also ich sehe in der Praxis oft ein Misch-Masch aus diesen Möglichkeiten und selten sagt jemand zu mir „mein Therapeut hat daran schon mit mir gearbeitet“, eher kommt der Satz: „Ehm, wie sag ich denn jetzt meinem Therapeuten, dass ich bei einem anderen Therapeuten war?“ – schick ihm anonym zu einem Workshop von uns oder verweise auf Strength First Digital, danke.

Die Definition von Wahnsinn? Ständig das Gleiche versuchen, aber etwas anderes erwarten!

Nein, ich bin ja selbst kein Zauberer – aber ich nehme die Klienten ernst und gehe nicht nur an die Bank und wieder nach Hause, sondern ich frage mich, seitdem ich mit der Physiotherapie angefangen habe, ach schon lange davor, wie die unterschiedlichen Beschwerdebilder entstehen können, woran es liegt, wenn etwas mal nicht so läuft, welche Stellschrauben wir so besitzen und wie ich als Therapeut bei der Lösungsfindung helfen kann. Mir wurde mal gesagt „du zauberst ja nicht, du hast nur deine Hausaufgaben gemacht“ und leider ist es so, dass es heutzutage ja schon etwas Besonderes ist, wenn man seine Hausaufgaben gründlich gemacht hat – ich will aber dennoch sagen: ich bin wirklich richtig gut, Hausaufgaben hin oder her tschüss.

Worums am Ende geht? Den Patienten. Der ist verunsichert, hat Angst, wird verrückt und weiß nicht weiter. Darum schreibe ich das hier. Es gibt IMMER eine Lösung, nur musst du sie finden!

Freilich ist ein Genie nur ein talentierter Mensch, der besonders viel Zeit für seine Hausaufgaben hatte!

In dem Sinne, bis zum nächsten Teil…


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